Montag, 20. August 2012

Simple Minds @ Cologne, E-Werk 19.8.2012

Als ich die Simple Minds 1980 das erste Mal gesehen hatte, war ich begeistert. Es war zur Zeit des "Empires & Dance" Albums. Ich kannte ein paar Stücke von der Band und legte mir dann alles von denen in der Folgezeit zu. Bis einschließlich "New Gold Dream". Danach war Schluss, denn die Simple Minds wurden danach nur noch unsäglich: "gefälliger" und entsprechend unbedeutender Stadion-Möchte-Gern-Rock von der üblen Sorte.
Entsprechend ging ich mit gemischten Gefühlen zu diesem Konzert. Einerseits reizte es mich, ein Konzert mit Stücken der guten Phase (5x5) zu erleben - anderseits verunsicherte mich dann doch, dass nur zwei Tage vorher in Hamburg auch der Mist nach 1982 dargeboten wurde.
Entwarnung gab es dann, als am Tag selber die Band postete, dass es ein Konzert geben würde mit Material der ersten fünf Alben mit mehr als 2 Stunden Spielzeit.
Nun war es so, dass der Sonntag der heißeste Tag im Jahr bis dahin war. Das E-Werk war mehr oder weniger ausverkauft und es herrschte Saunaatmosphäre. Ich hatte Guenther getroffen und wir beiden standen auf der Empore - direkt über dem Mischpult - mit einem guten Blick auf die Bühne. Und ab und zu kam sogar ein Lüftchen vorbei...ansonsten wurde es "feucht". Das Publikum war im Durchschnitt recht alt: 50+. Vor mir stand ein älterer - und sicherlich netter Herr - mit einem Eloy-T-Shirt. Dem Alter der Anwesenden entsprechend fing das Konzert pünktlich um 20.00 ohne Vorband an. Wobei vorher angekündigt wurde, dass es zwei Sets mit einer Pause von 10 Minuten geben würde.

Tja - was soll ich nun schreiben?

Night-of-the-Proms-Liga
Am Ende habe ich es nicht bereut, mir eine doch ziemlich teure Karte gekauft zu haben. Und ganz positiv: Simple Minds spielten wirklich nur Stücke der ersten Alben. Was aber auch klar ist: noch einmal werde ich mir die Band nicht angucken. Das hat mehrere Gründe. Grundsätzlich ist es dieser Effekt, dass Simple Minds zu den Bands gehören, die eigentlich mit ihrer Vergangenheit abgeschlossen haben. Es gibt andere Bands, die Lieder aus ihrer Anfangsphase spielen und man merkt ihnen an, welchen Spaß sie dabei haben und dass da ein Feuer wieder entfacht wird. Bei den Simple Minds war das anders: die Setlist war super. Gerade auch die Stücke der ersten beiden Alben haben mich zutiefst erfreut. Und allein die Tatsache, "Chelsea Girl" als Zugabe zu geben, hat (auf den ersten Blick) Stil. Um aber bei diesem einem Stück zu verweilen: haben die ersten Alben einen Biss, so dass in allen Stücken eine tolle Dynamik steckte, war davon nur noch im Ansatz etwas spürbar. Und das lag nicht an der Hitze. Simple Minds ist heute eben eine (selbst)gefällige Rockband, die eher auf diesem "Night-of-the-Proms"-Modus eingeeicht ist. Viel Klatschen und alles an das Alter des Publikums angepasst. Nett - aber eher belanglos. Und wenn dann mit so einer Haltung die Frühwerke gespielt werden, die einen anderen Geist atmeten, dann kommt dabei das raus, was ich erleben durfte. Alles ein wenig gedämpft, lahm. Dazu erschwerend die Rolle von Jim Kerr - dem Sänger: seine Stimme hat nicht mehr das Volumen (was ich an sich nicht zum Vorwurf mache...ist eben das Alter!) und wenn der dann so wie ein Schlagersänger dahintänzelt (immer irgendwelchen in Roy Black Manier zuwinkt), kann daraus nichts werden.
Sicherlich: bei dem einen oder anderem Stück blitzte die alte Zeit auf (z.B. war "Life in a Day" sehr gelungen), aber das war am Ende doch zu wenig. Und die meisten Stücke der "New Gold Dream" waren erschreckend blass.
Die anderen hingegen liebten es (die Stimmung war gut....viel Geklatsche) und die Band war sichtlich zufrieden. Und es ist auch anerkennend anzumerken, dass in dieser großen Sauna nicht einfach auf "Kurzprogramm" umgeschaltet worden ist. So fuhr ich nach Hause: nicht unzufrieden und mit dem Wissen, dass ich die Simple Minds als Live-Act getrost in die Ablage geben kann.


1st Set
I Travel
Thirty Frames a Second
Today I Died Again
Life in a Day
Calling Your Name
Hunter and the Hunted
Premonition
Wasteland
Love Song
Pleasantly Disturbed
Room

2nd Set
The American
In Trance as Mission
70 Cities as Love Brings the Fall
Celebrate
Changeling
Factory
This Fear of Gods
Promised You A Miracle
Someone Somewhere in Summertime

Encores
Theme For Great Cities
Someone
Chelsea Girl
Glittering Prize
New Gold Dream (81-82-83-84)

Statistisch gesehen sah dann die Verteilung auf die fünf ersten Werke folgendermaßen aus:

Life in a Day
Chelsea Girl
Life in a Day
Pleasantly Disturbed
Someone
Wasteland

Real to Real Cacophony
Calling Your Name
Changeling
Factory
Premonition

Empires and Dance 
Celebrate
I Travel
Room
Thirty Frames a Second
This Fear of Gods
Today I Died Again

Sons and Fascination / Sister Feelings Call 
70 Cities as Love Brings the Fall
In Trance as Mission
Love Song
The American
Theme For Great Cities

New Gold Dream (81-82-83-84)
Glittering Prize
Hunter and the Hunted
New Gold Dream (81-82-83-84)
Promised You A Miracle
Someone Somewhere in Summertime


Kommentare:

  1. Danke für die Setlist samt Statistik. Deine Eindrücke vom Konzert finde ich sehr zutreffend. Zu viel Pose, zu wenig Spirit. Und der Glanz des "New Gold Dream" klang live in der Tat ziemlich stumpf. Anyway: Viel Spaß bei den nächsten Konzerten! Somewhere ...

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  2. Wir hatten das VERGNÜGEN die 5x5-Shows in Amsterdam, Hamburg und Köln besuchen zu können, und sind begeistert!
    Wenn man(n) berücksichtigt, dass am gestrigen Tage tropische Temperaturen herrschten, kann man nur sagen: Hut ab, vor einer Band die das volle Programm leidenschaftlich darbot (trotz des Alters).

    Des Weiteren frage ich mich warum in Deinem Bericht stetig das Alter angeprangert wird (sowohl von der Band, als auch dem Publikum)... Du bist selbst Ü50, was hast Du für ein Publikum erwartet -die zu einem Konzert einer Band gehen, die bereits das 30-jährige Bestehen hinter sich hat)? Teenager?

    Wie auch immer, wir sind keine Hardcore-Fans der Gruppe Simple Minds, waren aber so begeistert, dass wir am folgenden Mittwoch in Hanau wieder begeistert mitklatschen und uns freuen wenn "Uns Jim" tänzelt... ach ja, wir sind -50!!!

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  3. Schön zu lesen, dass es nicht nur mir so ging...
    http://allroyforprez.blogspot.de/2012/08/simple-minds.html

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  4. Danke Rainer!
    Ich stand neben Peter und war auch etwas irritiert.... warum war alles so seicht und glatt? Warum singt man so geile Stücke mit verlangsamten Lyrics und betont anders akzentuiert? Der Schlager-Star-Vergleich in Peters Text ist -leider- sehr passend. Klar, die können mit deren Stücken machen, was sie wollen, aber ich muss das nicht gut finden.
    SM haben eine unfassbar geniale Phase gehabt, wo sie grandiose Stücke geschrieben haben, bevor sie dem Mainstream-Wahn zum Opfer gefallen sind. Dass Sister Feelings Call und Sparkle in the Rain von ein und derselben Band stammen ist wirklich kaum zu glauben.
    Dass sie jetzt SFCall-Songs im Sparkle-Style bringen ebenfalls.

    Schade, schade, das nächste Jugend-Denkmal demontiert....
    G.

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  5. Danke für das tolle Review, genauso ist es mir auch ergangen! Irgendwie stand ich teilnahmslos im Publikum, obwohl ich die Band schon seit Jahren höre. War zwar gut, wird aber in einigen Tagen in meinen Gedanken verschwunden sein!

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  6. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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