Sonntag, 15. April 2018

The Selecter & The Beat @ Duesseldorf, ZAKK (14.4.2018)

The Selecter
1979 war ein heißer Sommer. Ich war in den Sommerferien in London und sah bei "Top of the Tops" das erste Mal eine Ska-Band: es waren die "Specials" mit "Gangsters". Warum ich das erwähne? Als die Ska-Welle Fahrt aufnahm, waren es eben nicht nur die Specials, sondern einige andere Bands. Wo ich mein Herz an die Band aus Coventry verlor und sie nach wie vor als die mit Abstand beste Band aus diesem Genre ansehe, sah es bei den anderen für mich - und das ist hochgradig subjektiv! - ganz anders aus. "Madness" z.B. fand ich immer doof. Ich konnte mit denen nie was anfangen. Bei "The Beat" fand ich nur 3 Songs (Tears of a Clown, Mirrow und Stand Down Margaret) wirklich gut und den Rest eher langweilig. Allein "The Selecter" mochte ich noch am meisten...von den anderen Bands. Euphorie sah aber anders aus, aber die Band hatte noch etwas eigenes. Nun denn. Ich habe letztlich außer den Specials all die anderen Bands nicht mehr auf dem Schirm gehabt ...bis ich 2010 in Belgien auf einem Festival mehr zufällig auch "The Selecter" live erlebte und sehr überrascht war: die waren gut! Gleichfalls sah ich dann in Blackpool ein Jahr darauf "The Beat", die ich mir angesichts des positiven Eindrucks im Jahr zuvor ansah... wer weiß... vielleicht wären die ja auch gut. Aber dem war nicht so. Ich fand sie langweilig bis hin nervig. Dazu ist aber auch anzumerken, dass es zwei Versionen von "The Beat" gibt: die englische Version mit Ranking Roger und die "amerikanische" Version mit dem anderen Originalsänger Dave Wakeling. Letztere Version soll besser sein... erstere eben nicht. "The Selecter" habe ich dann noch einmal vor einigen Jahren in Blackpool erleben können und da bebte der "Empress Ballroom" im Wintergardens - das war schon beeindruckend.
The Beat
Jetzt spielten beide Bands im ZAKK. "The Beat" begannen. Und ich gab mir ernsthaft Mühe. Doch nach einer halben Stunde verließ ich meinen Platz direkt vor der Absperrung zur Bühne und ging raus. Ska kann eben so oder so sein. Und mit "The Beat" werde ich mich nicht mehr anfreunden. So - wie ich beobachten konnte - es anderen genau umgekehrt ging. That's Life.
Dann nach einer relativ kurzen Umbaupause legten "The Selecter" einen gut einstündigen, sehr kurzweiligen Set hin. Es war eine gute Mischung aus alten Hits wie auch aus neuem Material. Pauline Black - die Sängerin - ist eine charismatische Frontfrau und die Band spielte auf den Punkt. So ging mir diese eine Stunde gut in die Beine. Anders als vor einigen Jahren im Empress Ballroom bebte das ZAKK aber nicht...schon deshalb weil es dort einen Betonboden gibt.
Am Schluss gab es dann noch eine Zugabe mit Ranking Rogers und seinem Sohn.
Ich verließ das ZAKK und kam genau zur Haltestelle als eine Bahn kam. Perfekt. Alles in allem ein guter Abend, an dem ich wieder viele nette, bekannte Menschen getroffen habe.

Das war die Setlist von "The Selecter":

The Avengers
3 Minute Hero
Frontline
Breakdown
Daylight
Missing Words
Remember Me
Danger
Taking Back Control
The Big Badoof
Train To Skaville
James Bond
On My Radio
Varry Go, Bring Come
Too Much Pressure

Madness

Samstag, 7. April 2018

The Decline! & The Flatulinees @ Essen, Don't Panic (5.4.2018)

The Decline!
Ein Donnerstagabend im "Don't Panic". Für diesen Wochentag war die Anzahl der Konzertbesucher sogar noch einigermaßen passabel. Ich kam gerade an als die Vorband beim zweiten Song waren: "The Flatulinees" aus Duisburg, ein Nebenprojekt des Richies-Gitarristen. Und dieses Trio war richtig gut. Klar: auch bei dieser Band - wie auch bei den Richies - stehen die Ramones als musikalische Paten im Hintergrund. Doch die Duisburger sind alles andere als eine stumpfe Ramones-Coverband. Es ist eine intelligente Mischung, die einfach Spaß macht: die Songs gehen in die Beine, gute Melodien, teilweise sehr witzige Texte, witzige Anspielungen auf Ramones-Songs (Sheena was a Bankrobber) und überhaupt eine sympathische Band. Endlich also einmal eine wirklich gute...sehr gute!... Vorband.
The Flatulinees
Dann nach kurzer Umbaupause "The Decline!" aus Frankreich - aus Rennes. Eine französische Band, die englisch singt.Das Quintett hat jetzt drei Alben rausgebracht, die allesamt sehr gut sind. Die Band spielt eine Mischung aus Punk und Folk, wobei letzteres im Hintergrund mitschwingt aber - zum Glück - nicht den Sound dominiert. In der Sparte haben die Franzosen aus meiner Sicht die perfekte Mischung hinbekommen. Und die hauten dann über eine Stunde einen tollen Song nach dem anderen raus. Es war eine wahre Freude, diese Band auf der Bühne zu erleben. Allen voran der Sänger, der sich - so klein er letztlich ist - als absolutes Energiebündel entpuppte. Und dann eine hervorragende Band, bei der die beiden Gitarristen herauszuheben sind. Ich bin ein großer Fan von einer solchen Konstellation...gerade dann wenn die Gitarren so wie bei "The Decline!" perfekt aufeinander abgestimmt sind. Das war also großes Kino im "Backyard Club" des Don't Panic. Gerüchteweise soll das die letztere Tour der Band gewesen sein...der Sänger hat wohl vor wegzuziehen auf irgendeine Insel. Das wäre ein Jammer, wenn dadurch die Band quasi zum Erliegen kommen würde. Wir werden sehen. Wie dem auch sei: die drei Alben der Band sind mehr als empfehlenswert.
Ein fantastischer Abend!

Das war die Setlist:
Heroes On Emoty Street
Joyfull Thrill
A Punch In My Head
Always Run
Everything
Wake Me Up
Outsiders
Concrete
Let's Get Drunk
Limits
Alone In My Grave
Along The Red Brick Wallsa
A Match And A Barrel Of Fuel
Out Of The Maze
Smiling Beast

12A Clavary Road
Own Goals
Our Dark Old Days

Freitag, 30. März 2018

Love Machine & Kamala @ Duesseldorf, ZAKK (29.3.2018)

Love Machine
Das war ein langer Arbeitstag für mich gewesen und ich war müde. Trotzdem oder gerade deswegen freute ich mich auf den Abend im ZAKK. "Love Machine" hatte ich schon im September gesehen und die Band gefiel mir. Auch wenn das, was die fünf Musiker produzieren nicht unbedingt zu dem gehört, was ich normalerweise höre. Abwechslung kann ja nicht schaden.
Eröffnet wurde der Abend von einer Leipziger Band mit dem Namen "Kamala". Musikalisch passten sie zum Hauptact, spielten aber ernsthaft in einer ganz anderen Liga. Irgendwie erinnerte sie mich an die Schülerbands, die ich in den 70ern aus Not aufgrund fehlender Alternativen über mich ergehen lassen musste. Zottelige Haare genügen nicht, um in die Fußstapfen der Altvorderen zu treten. Hat es für mich als jemand, der die 70er bewusst erlebt hat, eh etwas leicht Merkwürdiges, wenn noch recht Menschen stilmäßig die lange-Haare-und-lange-Bärte-Zeit wiederaufleben lassen, muss beim Eigentlichen - der Musik - doch noch ein wenig mehr geboten werden.
Das taten dann "Love Machine". Musikalisch sind die im Blick auf das Beherrschen ihrer Instrumente top. Die lassen schon ein Feuerwerk ab, das es in sich hat. Hier und da an der Perfomance kann man sicherlich noch was drehen - irgendwann wird die wiederholte Frage, ob das Publikum Bock hat, langweilig - aber letztlich stand da eine Band auf der Bühne, die gerade dabei ist, mächtig durchzustarten. Der Mix aus Psychedelic und Krautrock und was da noch an Einflüssen reingestreut ist: der hat was. Und das scheinen auch recht viele mittlerweile mitbekommen haben. Sollte das Konzert ursprünglich im Club des ZAKK stattfinden, wurde es kurzfristig aufgrund der Nachfrage in die Halle verlegt...und die war sehr gut gefüllt. So war es ein Abend, der mich musikalisch in die Pre-Punk-Ära zurückversetzte inklusive des Geruchs von Cannabis. Wenn schon Klischee dann aber auch richtig. Dazu dann noch das Treffen von netten Menschen, die so einen Abend eh noch bereichern. Kurzum: es wird spannend sein, wohin es diese Band noch verschlagen wird.

Montag, 26. März 2018

Editors & Public Service Broadcasting @ Cologne, Palladium (25.3.2018)

Editors
Hätte ich das neue Editors Album vor dem Kauf der Karten gekannt...ich wäre wohl nicht hingegangen. Selten habe ich so ein schlechtes, langweiliges und entsprechend überflüssiges Album gehört. Deutete sich schon beim letzten Album an, dass der Band doch die Ideen ausgehen, ist bis vielleicht auf einen Song alles extrem belanglos bis nervig. Vor allem das Titelstück "Violence" ist schlicht doof. Ich tröstete mich damit, dass der Rest der Setlist ganz verheißungsvoll aussah. Nun denn. Wir fuhren nach Köln und befanden uns dann in dem sehr gut gefüllten Palladium. Hier bestätigte sich mal wieder, dass dieses Venue keine gute Akustik bietet. Der Sound war breiig - speziell beim Hauptact. Und das war zum Teil schon sehr nervig.
Eröffnet wurde der Abend mit einem 45minütigem Set von "Public Broadcasting Service". Ich hatte die Band schon vor einigen Jahren als Opener für die Manic Street Preachers gesehen. Auch wenn die Band mir damals - 2014 - besser gefiel, war der Set gut. Befanden wir uns zu dem Zeitpunkt noch auf der Empore, gingen Cor und ich dann aber runter. Nicht nur weil es ob extrem zog - Air Condition/Lüftung - wirklich bequem von der Seite gucken ist anders.
Dann begannen die Editors um 21.00 ihren Set. Und der war angesichts der Songs vom neuen Album eine Achterbahnfahrt. Ich mag diese Band - bis auf das neue Album mag ich auch alle Veröffentlichungen. Es sind wunderbare Songs dabei. Hätten sie die neuen Songs ausgelassen, wäre es ein famoser Set gewesen. Nach dem vorletzten Stück - Papillion - verließen wir das Palladium. Es ist für mich eines der Highlights der Editors...aber an diesem Abend war gerade bei diesem Stück der Sound so unterirdisch, dass ich es erst nach einer Minute wiedererkannte. Hatte ich schon 2009 - beim bis dahin letzten Konzert dieser Band, das ich besucht hatte - das Gefühl, dass ich die mir nicht mehr live angucken möchte, werde ich das zukünftig auch wirklich nicht mehr tun. Die gute Zeit dieser Band ist längst vorbei. Freuen kann ich mich immer noch über einige fantastische Alben und über die Erinnerung an die ersten Konzerte...vor allem an das 2005 im Gebäude 9. Das war überragend.


Hallelujah (So Low) - vom neuen Album...ist ok
A Ton of Love
Formaldehyde
Darkness at the Door - vom neuen Album...schlecht
Violence - vom neuen Album...ganz schlecht
No Harm
Lights
Blood
Munich
An End Has a Start
In This Light and on This Evening
Eat Raw Meat = Blood Drool
Nothingness - vom neuen Album...schlecht und laaaaangweilig
Belong - vom neuen Album...schlecht und langweilig
Sugar
The Racing Rats
Ocean of Night

No Sound but the Wind (Tom solo)
Cold - vom neuen Album...schlecht und laaaaaangweilig
Magazine - vom neuen Album...nicht gut
Papillon
Marching Orders

Samstag, 24. März 2018

Spunk Volcano and the Eruptions & Elvis Presley Hound Dogs @ Essen, Don't Panic (21.3.2018)

Spunk Volcano & The Eruptions
Ein Mittwochabend an dem effektiv vielleicht maximal 15 zahlende Zuschauer ins "Don't Panic" in Essen gekommen waren. Spunk Volcano ist der Gitarrist von "Dirt Box Disco". Sein Markenzeichen ist ein "verbotenes" Outfit: Maske mit Hahnenkamm, Lederjacke und kurze Batman-Unterhose. Nicht schön...aber ziemlich gut. Ich hatte ihn und seine Band schon vor einigen Jahren in Blackpool beim Rebellion Festival erlebt. Sicherlich: "Dirt Box Disco" ist eine ganz andere Nummer. Trotzdem: gutes Entertainment und einige tolle Songs. Was will man mehr?
Als Support startete eine Band aus Oberhausen: "Elvis Presley Hound Dogs". Trotz des eher merkwürdigen Namens war es eine sympathische Band, die mir musikalisch nicht im Gedächtnis bleiben wird. Trotzdem war es kurzweilig und daher als Support mehr als ok.
"Spunk Vulcano and the Eruptions" spielten - stoisch trotz der mickrigen Zuschauerzahl - einen knapp einstündigen Set, bei dem der Sänger - Spunk Volcano - teils vor der Bühne angesichts des vielen Platzes verweilte. Einer der besten Songs des Abends war sicherlich "I can't stop thinking about you", der auch von "Dirt Box Disco" hätte stammen können.So erlebte ich eine Band, die textlich gesehen witzige Stories "erzählen" kann und eingängige, punkige Melodien aus dem Ärmel schütteln kann. Und das ist doch schön. Hoffentlich war der Konzertbesuch nach diesem Start in Essen besser.




Freitag, 2. März 2018

Johnny Moped & The Nopes @ Essen, Don't Panic (1.3.2018)

Johnny Moped & Band
Letztes Jahr sah ich Johnny Moped in Köln. Es war Juli und extrem warm. Dieses Jahr sah ich Johnny Moped im Essener "Don't Panic" - im Club und es war arschkalt. Ok: nicht ganz so kalt wie draußen. Es waren keine Minusgrade. Aber es war so kalt, dass ich mich sogar bei der Vorband "The Nopes" - denen ich nicht wirklich etwas abgewinnen kann - bewegte...bewegen musste, um die von unten hochziehende Kälte aus meinen Füßen zu bekommen...was mir nicht wirklich gelungen ist. Für einen Donnerstagabend war der Club gar nicht so schlecht gefüllt. Anders als in Hamburg - wo Johnny Moped auch spielen sollte - war Essen aber alles andere als ausverkauft.
Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: Johnny Moped ist eine Legende mit einer Bandgeschichte mit relativ Chaos. Über viele Jahre ist er in der Versenkung verschwunden und ist auf einmal wieder da. Ein neues Album erscheint. Trotzdem ist er mit seiner Band live gar nicht so oft zu erleben und er kommt nun schon das zweite Jahre in Folge nach Deutschland auf eine Wochenend-Mini-Tour. Eigentlich ist das der totale Hammer. Was grundsätzlich dazu zu erwähnen ist, dass Deutschland wie auch andere Länder auf dem Kontinent bei vielen Bands aus England hoch im Kurs stehen: Venues, die Essen und Schlafen bieten und das oft auf einem hohen Niveau ... freundliche Behandlung und akzeptable Bezahlung. Entsprechend hoffe ich, dass nicht nur diese Band noch öfters mal hier vorbeischaut.
Wenn ich mich nicht irre, war Johnny Moped mit der gleichen Band unterwegs ... beim Schlagzeuger bin ich mir nicht 100% sicher. Der wiederum hatte einen ordentlichen Wumms und schon beim ersten Song - VD Boiler - startete die Maschine und gab Vollgas. Es folgte wie letztes Jahr ein Mix aus Stücken des Debutalbums von 1978 (Cycledelic) und dem Longplayer von 2016 (It's a Real Cool Baby).
Johnny Moped ist schon ein Phänomen: so fragil er auf der Bühne erscheint hat er es auch faustdick hinter den musikalischen Ohren. Tolle Songs mit zum Teil herrlichen Texten und Inhalten. Fehlen konnte da natürlich "Darling, Let's Have Another Baby", das "Die Toten Hosen" unlängst auf ihrer "Learning English Pt.2" mit Johnny Moped am Gesang gecovert haben. Ein knappe Stunde gab es also eine brilliante Unterhaltung von einem der Originalen des Punk, der seine Wurzeln hörbar im englischen Pubrock hat. Hätte mir jemand vor Jahren gesagt, dass ich den überhaupt noch einmal sehen würde, ich hätte nur gelacht.
Es war also kalt im "Don't Panic". Ich verließ das Venue und freute mich auf die Heizung meines Autos, die dann auf dem Heimweg speziell meine Füße wieder fühlbar machte. Dabei hatte ich ein geniales T-Shirt (1-2 Cut Your Hair) und ein wenig Vinyl. Toller Abend!




Samstag, 24. Februar 2018

Autobahn @ Oberhausen, Druckluft (23.2.2018)

Autobahn
Ein kalter Freitagabend. Zudem ein Weg mit Widrigkeiten: als Ortsunkundiger strandete ich erst einmal nach der Autobahnausfahrt: Straße in die linke Richtung total gesperrt. Dank Navi, das den Kurswechel nicht sofort hinnehmen wollte...und mehrfach versuchte mich wieder in die "eigentliche" Richtung zu dirigieren, kam ich dann doch am "Druckluft" an. Eine überschaubare Zahl hatte sich dort am Ende eingefunden, um das letzte Konzert der Band aus Leeds auf ihrer Tour anzusehen. Kalt der Raum - keine Vorband. Dann gegen 20.45 kam die Band auf die Bühne. Ich hatte noch den Auftritt von 2016 im Kölner Blue Shell in Erinnerung: damals fand ich die Band grandios. Getoppt wurden nun meine Erwartungen durch das zwei Album von Autobahn: "A Moral Crossing". Dieses Album ist fantastisch. Als dann die Band auf die Bühne kam, sah ich, dass sie wohl einen neuen Schlagzeuger hatten. Mit dem "alten" hatte ich mich vor zwei Jahren sehr nett unterhalten. Schade. Aber so ist das Leben. Effektiv bestand der Set aus Songs der beiden Alben. Highlight war dann als letztes Lied das Titelstück des zweiten Albums. Eine wunderbarer Nummer. Es war ein guter Auftritt. Trotzdem verließ ich das Druckluft weniger begeistert als damals das Blue Shell. Woran lag das? Weil es eh alles so kalt war...auch während des Auftritts? Ich eher das Gefühl hatte, dass die Band den letzten Gig noch hinter sich bringen wollte? Oder weil die nach knappen 45 Minuten einfach aufhörten und dann geschlossen zum Merchstand trabten? Vielleicht ein Mix aus allem. So fuhr ich wieder nach Hause. Zum Glück funktionierte die Heizung im Auto vorzüglich.




Montag, 19. Februar 2018

TV Smith and the Bored Teenagers & UK Subs @ Duesseldorf, ZAKK (15.2.2018)

TV Smith and the Bored Teenagers
Ich bin an diesem Tag um 5.00 Uhr in der Frühe aus Bexhill On Sea losgefahren, um eine frühe Fähre nach Dünkirchen zu erreichen. Zum Glück war der Verkehr an diesem Donnerstag auch sehr angenehm. Als ich um 11.00 in Dünkirchen ankam brauchte ich noch 4 Stunden bis Düsseldorf. Aber...eigentlich war ich „durch“. Aber wenn schon TV und die UK Subs quasi um die Ecke im ZAKK spielen, konnte ich doch diese Gelegenheit nicht verpassen.
Tim
Im ZAKK traf ich viele bekannte Menschen aus den unterschiedlichen Kontexten. Das war fein. Besonders freute ich mich Paul, den Tourmanager, zu treffen. Ihm überließ ich auch meinen „Neat Neat Neat“-Badge (immerhin hatte ich mir in Bexhill noch 5 davon als Reserve zugelegt). Paul zu treffen ist jedes Mal sehr nett. Es gibt keinen besseren Tourmanager und ich finde es natürlich besonders schön, dass er so eng mit Tim zusammenarbeitet. Und nachdem er schon 5 Wochen mit den UK Subs durch halb Europa gefahren ist, hat er die in Düsseldorf startende Tour von TV mit den Bored Teenagers übernommen und somit noch knapp 1 ½ Wochen drangehängt. Neben Paul traf ich natürlich auch Tim, der in diesem Jahr wohl endlich das neue Album einspielen wird. Darauf freue ich mich schon sehr, denn die neuen Songs sind brilliant. Von denen spielte er mit den Spaniern als Zugabe nur einen. Und das klang mit Band super. Der „Rest“ war der bekannte und famose „Ritt“ durch den „Backkatalog“ der Adverts mit einer Prise „Cheap“ und „Explorers“. Wie gehabt zog die Band den Set ohne Atempause durch. Atemberaubend in vielfacher Hinsicht!.
Danach kamen die UK Subs, die mehr oder weniger den gleichen Set wie in Bochum im Januar spielten. War das Konzert eigentlich für den Club angekündigt, war alles dann doch kurzfristig in die Halle verlegt worden. Der Kartenvorkauf war wohl so gut, dass sich diese Veränderung lohnte. Und so freute sich Charlie Harper auch, dass unter der Woche so viele Menschen ins ZAKK gekommen waren.
Als die nach einem famosen Set die Band „Hier kommt Alex“ spielte bewegte ich mich langsam zum Ausgang. Nicht weil es schlecht war. Gang im Gegenteil. Ich war jetzt endgültig „durch“ und ich musste mich nach meiner „England-Tour“ einfach ins Bett werfen. Beim rausgehen sah ich Breiti von den Hosen – die fast komplett anwesend waren - in der Ecke stehen. Hmm: was er und die anderen in diesem Moment wohl dachten, als einer der Heroen des Punk ihren Song auf der Bühne sang? Wäre interessant, das zu wissen.

UK Subs

Freitag, 16. Februar 2018

The Damned & Slim Jim Phantom @ Bexhill On Sea, De La Warr Pavillion (14.2.2018)

The Damned
Die Information am Dienstag, dass der Auftritt in Southampton ausfallen würde, war schon frustrierend. Per Zufall las ich die Nachricht auf Facebook. Der Umstand, dass Dave Vanian krankheitsbedingt nicht auftreten könnte, nährte die Vermutung, dass damit dann auch der Auftritt am folgenden Tag in Bexhill gestrichen sei. So verließ ich am Mittwoch – früh am Morgen – das Hotel in Southampton und machte mich auf den Weg nach Bexhill. Da ich dort das Hotel nicht mehr stornieren konnte, fuhr ich trotzdem. Es könnte ja sein, dass die Damned doch noch abends auf der Bühne stehen würden.
Auf dem Weg nach Bexhill machte ich in Brighton einen Zwischenstop. Dort gibt es wunderbare Plattenläden und andere Geschäfte. Während ich dort in einem Cafe saß, erfuhr ich, dass das Konzert stattfinden würde. Glück gehabt.
So fuhr ich dann zum Hotel nach Bexhill. Dieses Sussex-„Hotel“ entpuppte sich als ein wahrer Horrortrip. Als ich dort ankam – effektiv ist es unter normalen Umständen ein Pub mit B&B – dachte ich erst, das Gebäude würde umgebaut. Der Pub selber war richtig dreckig und unaufgeräumt – alle möglichen Dinge lagen da rum. Aber: es war Betrieb. Als ich dann endlich jemand gefunden hatte, der sich verantwortlich fühlte, wurde mir eröffnet, dass meine Reservierung bei ihnen nicht angekommen sei. Ich sollte auf den „Manager“ warten, der sich als ein wirklich ungepflegter Zeitgenosse mit mehr fehlenden als vorhandenen Zähnen herausstellte. In der Zwischenzeit traf auch Fleagle – einer der TV Smith Fans, den ich seit 2006 gut kenne – ein. Witzigerweise hatte er auch dort reserviert. Er kam mit seinem Kumpel Shaun, der aber gerade eine Grippe ausbrütete...die wie angeflogen...ihn total schachmatt setzte. Obwohl Fleage für beide gebucht hatte, war nur ein Zimmer für Shaun vorhanden. Für Fleagle und mich war kein Platz mehr. Ich hatte das im Blick auf meine Person ehrlicherweise auch sehr erhofft. Allein der Anblick der Toilette hätte mir den ganzen Tag verderben können. Ich bin ernsthaft nicht sehr zimperlich aber so etwas hatte ich noch nicht erlebt. Was nun? Während ich schon mit dem Gedanken spielte, direkt nach dem Konzert nach Dover zu fahren und eine Nachfähre zu nehmen, hatte Fleagle außerhalb von Bexhill ein anderes B&B organisiert...sogar zu einem ermäßigtem Preis. Shaun wollte aber sich mehr irgendwohin bewegen und zog es vor, in diesem Drecksloch zu bleiben, obwohl Fleagle auf ihn einredete, doch in das andere B&B mitzukommen. So fuhren wir beide dann allein zur neuen Unterkunft, die im Vergleich zum „Sussex-Hotel“ wie eine 5-Sterne-Residenz war. Das B&B war mit einer kompletten Hochzeitsgesellschaft belegt und im kleinen Pub hörte sich ein DJ schon warm mit den Hits aus den 80ern. So war auch klar, dass Fleagle den Sonderpreis bekommen hat. Aber wie dem auch sei: immerhin war alles sauber und freundlich.
Slim Jim Phantom
Nach einer kurzen Verschnaufpause fuhren wir wieder zurück nach Bexhill und ich fand sogar einen günstigen Parkplatz direkt neben dem Venue. Das war alles andere unwichtig, regnete es doch in Strömen begleitet von einem unangenehmen Wind. Es folgte dann ein Gang durch zwei Pubs, wo wir verchiedene Leute kennenlernten bzw. auch trafen. Unter anderem auch Mick, der das jährliche Undercover-Festival organisiert. Denn es ist so, dass Fleagle wirklich viele Menschen kennt...auch viele Musiker...und da er selbst aus Croydon stammt, wo die Damned herkommen, hat er sie dann auch über 200 – ernsthaft – Male gesehen.
Das Venue stellte sich als kalter Funktionsbau heraus. War die O2-Academy in Bournemouth ein wunderschöner Bau im viktorianischen Stil, hatte der Konzertsaal in Bexhill den Charme einer Turnhalle in einer alten NVA-Kaserne.
Was aber positiv anders war: am Merchstand war alles billiger. Kosteten die T-Shirts in Bournemouth noch 25 Pfund, waren sie jetzt 5 Pfund billiger. Zudem hatte auch die Frau von Captain Sensible ihre wunderbar große Kollektion von Badges dabei und ich deckte mich – weil ich sie dann immer wieder verliere – mit dem grandiosen „Neat Neat Neat“-Badge ein – im 5er-Pack.
Das Programm war dann wie in Bournemouth das gleiche: um 20.00 eröffnete Slim Jim Phantom den Abend. Es war gut und unterhaltsam. Den kam man eigentlich überall hinstellen und der macht dann sein Ding. Sehr gut.
Um 21.00 standen dann pünktlich „The Damned“ auf der Bühne. Ich war gespannt in welchem Zustand Dave Vanian sein würde. Typisch Damned-Humor: der Captain kam mit einem Taschentuch auf die Bühne und simulierte einen heftigen Schnupfen. Die Band fing an mit „Wait fort he Blackout“ und dann kam Dave Vanian. Und er sah aus als wäre gar nichts gewesen – er sang als wäre gar nichts gewesen – er bewegte sich auf der Bühne als wäre gar nichts gewesen. Das war verblüffend. Mehr noch: die Band war absolut phantastisch drauf. War Bournemouth schon ein Konzert gewesen, bei dem spürbar war, welchen Bock die da hatten, wurde das noch gesteigert. Sowohl der Captain als auch Vanian selbst waren extrem gut aufgelegt. Ich hätte nicht gedacht, das die sich noch steigern könnten. Also: es war absolut brilliant. Das betraf dann auch die drei neuen Songs: war „Standing On The Edge Of Tomorrow“ in Bournemouth sehr sehr gut, so war ich im Blick auf die beiden anderen Lieder „The Devil In Disguise“ und „Evil Spirits“ ein wenig verhaltener. Beide Songs erschienen ein wenig auf wackeligen Beinen. Aber vielleicht hing das auch mit dem schon angeknacksten Zustand von Dave Vanian zusammen. Denn in Bexhill kamen beide Lieder ganz anders – frisch und richtig gut – rüber. Sicherlich: auf der ganzen Tour wurde bis jetzt – wenn ich das richtig gesehen habe – die gleiche Setlist gespielt. Das ist ok und hängt wohl mit Paul Gray zusammen. Erst Recht ist es in Ordnung, weil die Auswahl einfach brilliant war.
Auch diesmal flog ein Bierbecher. Und dann passierte etwas, womit ich so nicht gerechnet hätte: der Becherwerfer – er mochte wohl nicht das letzte neue Stück – wurde ehe er überhaupt bis drei zählen konnte von der Security gegriffen und sofort durch eine Seitentür nach draußen befördert.
Nach der letzten Zugabe – Jet Boy/Jet Girl – ging ich ins Foyer, um Fleagle zu treffen. Er war schon vor mir da und wir fuhren dann in das B&B. Wir verabschiedeten uns, denn ich wollte – um eine frühe Fähre zu bekommen – schon um 5.00 die Unterkunft verlassen.
Was für ein grandioser Abend. So schade es war, dass Southampton ausgefallen ist: diese beiden Konzerte waren der Hammer!


Das war die Setlist:

Wait For The Blackout
Lively Arts
Silly Kids Games
Standing On The Edge Of Tomorrow
Dr. Jekyll And Mr. Hyde
Under The Floor Again
Antipope
So Messed Up
New Rose
Love Song
Stranger On The Town
Gun Fury
Eloise
Street Of Dreams
Devil in Disguise
Ignite
Dozen Girls
Neat Neat Neat

Seagulls
Generals
Evil Spirits
Smash It Up

Jet Boy/Jet Girl


Montag, 12. Februar 2018

The Damned & Slim Jim Phantom @ Bournemouth, 02 Academy (11.2.2018)

The Damned
"The Damned" waren und sind ein Phänomen. Wie man überall ja nachlesen kann: die erste Funkband, die eine Single rausgebracht hat...und die erste Band, die in den USA aufgetreten sind und die erste Band (oder eine der ersten), die sich - wenn auch nur zwischenzeitlich - wieder aufgelöst hat. In diese Geschichte dann verwoben verschiedenste Veränderungen des Lineups mit immer neuen Stilakzenten, mit denen sich The Damned permanent neu erfunden haben. Wobei das Besondere ist, dass sie bei allen Stilmodifikationen immer "The Damned" blieben. Sicherlich: die Phase in den den frühen 90er Jahren war hierbei die schwächste und hätte, wenn nicht Captain Sensible 1996 wieder eingestiegen und Rat Scabies rausgeflogen wäre, über kurz oder lang die Band in die Bedeutungslosigkeit manövriert. Aber überblickt man die 42jährige (!) Bandgeschichte so zeigt sich ein großer Schatz an musikalischen Juwelen und bedenkt all die vielen kleinen und großen Geschichten, die über die Engländer erzählt werden, kann man sich nur wundern, dass die überhaupt noch existieren. Also: diese Band ist besonders - sie ist ein Phänomen.



Ich mag "The Damned" ganz besonders auch wenn ich zugeben muss, dass mich beim ersten Anblick das Cover des Debütalbums erst einmal vom Kauf abgehalten hat. Richtig eingestiegen bin ich mit Erscheinen der "Machine Gun Etiquette" und das erste Mal konnte ich die Band dann im Oktober 1982 zusammen mit Cor in London auf der Strwaberries-Tour sehen. Es ist nun witzig, dass gerade jetzt zwei erwähnenswerte Aspekte von damals bei dem Auftritt in Bournemouth auch eine Rolle spielen. Der eine ist privater Natur. Ich war in Bournemouth zusammen mit Martin, meinem englischen Freund, den ich 2005 bei einem Gang of Four Konzert in London kennenlernte. Wie sich dann herausstellte, war er damals auch im Hammersmith Odeon. Der andere Aspekt betrifft den damaligen Bassisten Paul Gray. Er hatte schon 1980 auf dem "Black Album" Bass gespielt und eben auch auf dem 1982 erschienenen "Strawberries"-Album. Danach war er gegangen und dann 1996 wieder eingestiegen als der Captain und Dave Vanian die Reset-Taste drückten. Damals verließ er dann nach einem Zwischenfall bei einem Konzert - er wurde von einem Bierbecher am Kopf getroffen - die Band und es schien so als wäre es das gewesen. Zudem erlitt er einen desaströsen Tinnitus und erkrankte noch schwer an Krebs. Als im letzten Jahr unvermittelt der Bassist der Band - Sau West - seinen Dienst quittierte, war es für alle eine Überraschung als zu lesen war, dass Paul Gray bereit sei, dass anvisierte neue Studio-Album mit einzuspielen. Erschien das zunächst als ein Freundschaftsdienst jenseits der Bühnenlandschaft, überschlugen sich die Reaktionen als bekannt wurde, dass er auch die aktuelle Tour mitmachen würde. Denn: Paul Gray ist ein begnadeter Bassist, der speziell für viele Songs der Damned den gewissen Unterschied macht. Stu West war gut, Patricia Morrison - die jetzige Ehefrau von Dave Vanian - war auch nicht schlecht...aber Paul Gray ist brilliant. So bekam die "Evil Spirits-Tour" auf einmal eine ganz besondere Note. Denn ich gehe davon aus, dass Paul Gray nur temporär dabei sein wird. Er hat einen festen Job in Cardiff und angesichts seiner fragilen Gesundheit wäre alles andere eigentlich undenkbar.

Als ich im letzten Juli sah, dass die Band auf Tour gehen würde, entstand der Plan, doch über Karneval eben nach England zu fahren. So war es dann letztlich auch. Um 4.00 morgens startete ich, nahm um 10.00 die Fähre von Dünkirchen nach Dover und kam dann bei scheinender Sonne in Bournemouth an. Ich fand sogar sofort einen Parkplatz beim Hotel, das nur 3 Minuten zu Fuß von der 02-Academy entfernt liegt. Abends traf ich mit Martin - wir aßen etwas und dann ging es in das Venue, das anfangs noch extrem leer aussah.
Der Merch-Stand war ein wenig ernüchternd: 25 Pfund für ein T-Shirt. 10 Pfund für 4 Badges. Hmmm. Es gibt sicherlich viele Faktoren, die das alles so teuer macht. Gerade jetzt in England. Trotzdem: das war ein Dämpfer. Aber auch der einzige.

Der Abend wurde - wie auf der ganzen Tour - von Jim Slim Phantom eröffnet. Slim Jim ist der ehemalige Schlagzeuger der Stray Cats mit dem Merkmal, dass er im Stehen spielt. Mit einem jungen Gitarristen und Bassisten spielte er - sehr kurzweilig - genau eine halbe Stunde. Natürlich fehlten nicht einige der Stray Cats Klassiker wie "Rumble in Brighton". Hatte es auch etwas von Cover-Band: der Set war solide und Jim Slim Phantom ist immer noch eine "coole Socke". Jedenfalls bot er an, nach dem Set am Merchstand sein Buch zu signieren (wohl mit einigen Stories über seine Zeit mit Britt Eklund) und für Seifen zu posieren. Aber allein wie er das tat, war schon witzig. Und wie ich hörte, werden wohl die Stray Cats auch wieder in den USA auf Tour gehen. Die Rente muss abgesichert werden. Nachvollziehbar.

Captain Sensible
Dann nach einer relative kurzen Umbauzeit standen "The Damned" auf der Bühne. Ich habe die Band ja jetzt schon einige Male gesehen. Zuletzt 2016 in der Royal Albert Hall und dann noch in Leuten. Sicherlich: der Gig in der Royal Albert Hall war in vielfacher Hinsicht einmalig. Unter musikalischen Gesichtspunkten bewahrheitete sich nun das, was ich bei den überschwänglichen Reaktionen der letzten Tage im Netz lesen konnte: die Präsenz von Paul Gray setzt dem ganzen noch etwas drauf. Und das vom ersten Song an. Der Umstand, dass die Band "Wait for the Blackout" als erstes spielte, gab eh die Richtung an, in die es gehen sollte: der Set war voll von Liedern von den beiden Alben, die Paul Gray mitgeprägt hatte: eben "The Black Album" und "Strawberries". Es gibt Bassisten, die nicht wirklich wahrnehmbar sind...eben mehr im Hintergrund verweilen...es sei denn man konzentriert sich auf sie. Paul Gray ist aber einer derjenigen, der mit seiner Art Bass zu spielen, sofort auffallen, weil dieses Bass-Spiel anders ist....fast gleichberechtigt neben die Gitarre tritt. Und das ist, was die Engländer meinen, wenn sie sagen "That makes the difference"!
So stand da eine Band, die besser nicht sein könnte: Paul Gray eben, dann der wunderbare Captain, der mit seinen Zwischenansagen immer wieder die Lachmuskeln provozierte, der grandiose Dave Vanian - sowie Pinch, der Schlagzeuger...den ich ernsthaft sehr viel mehr schätze als Rat Scabies...sowie Monty, der hinter seinen Keyboards wie gewohnt rumkaspert.
Und alle hatten sehr viel Spaß. Die Band und auch Publikum. War die Halle - wunderbarer alter viktorianischer Baustil - bei der Vorband noch moderat gefüllt, war es dann bei den Damned sehr gut gefüllt...aber alles andere als ausverkauft. Trotzdem war es eine große Party.

Dave Vanian
Im Blick auf die Setlist dominierten - wie er schon erwähnt - die Songs von "The Black Album" und "Strawberries". Vom ersten Album kamen natürlich "New Rose", "Neat Neat Neat" und "So messed up". Das zweite Album wurde - wie immer - ignoriert. Von MGE kamen natürlich "Love Song" und "Smash it Up" sowie "Antipope". Dann noch "Street of Dreams" und "Eloise" von der "Phantasmagoria/Anything"-Phase. Und als letzte Zugabe dann noch "Jet Boy/Jet Girl". Insgesamt gab es auch drei Songs vom neuen Album, das irrwitzigerweise ja erst im April erscheinen wird. Hier strahlte das schon vorab veröffentlichte Stück "Stand at the Edge of Tomorrow", das ich live sehr viel besser als in der Studio-Version finde. Zudem waren da noch zwei andere Stücke (Devil In Disguise & Evil Spirits), die "ansehnlich" waren - will sagen: sie hörten sich nicht schlecht an aber sie haben mich auch nicht wirklich vom Hocker gerissen. So sehr es der Band anzurechnen ist, dass sie immer wieder auch etwas Neues herausbringt: die Hit-Dichte der früheren Alben wird sie nicht mehr erreichen und es wird aber trotzdem spannend sein, das neue Album in Ruhe zu hören. Denn was auch gestern klar war: bei den beiden anderen neuen Liedern befand sich die Band irgendwie noch in der Probephase...da lief nicht alles rund (nicht nur weil zeitweise das Mikro von Dave Vanian ausfiel). Wie werden sehen bzw. hören.
Nach 2 Stunden verließen wir dann glücklich das Venue. Ein toller Abend mit einer tollen Band. Ich freue mich nun auf Southampton und Bexhill.


Das war die Setlist:

Wait For The Blackout
Lively Arts
Silly Kids Games
Standing On The Edge Of Tomorrow (YouTube)
Dr. Jekyll And Mr. Hyde
Under The Floor Again
Antipope
So Messed Up
New Rose
Love Song
Stranger On The Town
Gun Fury
Eloise
Street Of Dreams
Devil in Disguise (YouTube)
Ignite
Dozen Girls
Neat Neat Neat

Seagulls
Generals
Evil Spirits (YouTube)
Smash It Up

Jet Boy/Jet Girl

Update zu dem Konzert in Southampton: es wurde eben (13.2.) einige Stunden vorher abgesagt, weil Dave Vanian krank ist. Wie ich auf Facebook las, fühlte er sich wohl schon am Samstag in Bristol nicht wohl und nach dem Konzert in Bournemouth schrieb jemand anderes, dass er sich dort wohl schon "grippig" fühlte. So nachvollziehbar das ist, dass dann ein Konzert nicht stattfinden kann...ich bin alles andere als "amused". Ich sitze jetzt in Southampton und das morgige Konzert in Bexhill steht nicht nur auf der Kippe, sondern erscheint unwahrscheinlich auch wenn nach Aussage von Monty-  so schrieb wieder jemand anderes - dieses Konzert evtl. doch stattfinden könnte. Jedenfalls stelle ich mich darauf ein, dass ich morgen einen konzertfreien Tag in Bexhill haben werden. Das Hotel kann ich jetzt nicht mehr canceln und die Fähre ist eh für Donnerstag früh gebucht. Also Kurzurlaub an der englischen Südküste. Arggghhhhh!

Donnerstag, 25. Januar 2018

Belgrad & Dikloud @ Duesseldorf, Tube (24.1.2018)

Belgrad 
Düsseldorf ist manchmal komisch. Speziell dann, wenn unter der Woche eine Band in der Stadt spielt. Ich habe schön öfters im Tube Mittwochs gestanden und es waren kaum Menschen da. So auch an diesem Mittwochabend. "Belgrad" aus Hamburg sollten spielen. Ein Konzert-Genosse hatte mich Ende des Jahres auf die vier Hamburger aufmerksam gemacht. "Sie seien gut..." - und da ich wußte, dass er einen guten Geschmack hatte und ich eh immer dankbar für sachdienliche Hinweise bin, kaufte ich mir das Debutalbum und war beeindruckt: ein Hauch Hamburger Schule, manche Gitarrenriffs erinnern an die frühen Interpol, das Melancholische auch und im Ansatz auch an EA80 der frühen 90er Jahre. Wunderbare Melodien wechseln ins Krachige und lassen sich wieder finden. Ein schönes Album. Und live? Also kaufte ich mir ein Ticket und erreichte das Tube.
Dikloud
Nach einem netten Gespräch mit dem Haus-Mixer - dem Gitarristen der Richies! - eröffnete eine andere Band: "Dikloud". Das Besondere bei diesem Trio: der Sänger/Gitarrist von Belgrad tat das Gleiche in dieser Band. Respekt: zwei Sets mit unterschiedlichen Bands am gleichen Abend. Dikloud sind rauher als Belgrad. Sie lassen sich auch schwerer einordnen als der Hauptact. Und die waren gut, sehr gut sogar. Und das obwohl sich vielleicht gerade mal 10 zahlende Gäste eingefunden hatten. Was für ein tristes Bild vor der Bühne. Aber wie der Drummer dann am Ende des Konzertes - als ich am Merchstand noch das Album der Band erstand - sagte: "So ist es manchmal...". Das sind die Niederungen, die jede Band erlebt. Trotzdem: dann immer noch einen sauberen Set abzuliefern, ist schon gut. Das Gleiche gilt dann auch für Belgrad, die das fast komplette Album mit drei neuen Songs spielten. War die Vorband schon sehr gut, so war Belgrad für mich wirklich extrem gut. Mich hat dieses Konzert nicht nur beeindruckt, es hat mich begeistert. Finde ich das Album schon brilliant, so warn die Songs live noch intensiver. Den Gesang teilten sich abwechselnd Gitarrist und Schlagzeuger. Der Bassist bearbeitete stoisch/präzise seinen Bass und der "Herr der Keyboards" unterlegte die Songs auf betörende Weise. Hätte ich Zeit würde ich mir die Band noch einige Male auf der Tour angucken. Ziemlich genau um 23.00 war dann aber alles aus. Die Band verließ nach der Zugabe die Bühne. Sicherlich alles andere als froh über die magere Zuschauerzahl. Bleibt nur zu hoffen, dass sie zukünftig wieder vorbeikommt.

Lösung
Eisengesicht
Fratze
Osten
Schellack und Gewalt
Mühle
Niemand
Westen

Leben
Kahlberg

Samstag, 20. Januar 2018

UK Subs & Assmatix @ Bochum, Rockpalast (19.1.2018)

Charlie Harper
Januar. Kalt. Am Vortag Sturm. Als ich in Bochum ankomme, regnet es erst einmal heftig. Einlass kurz nach 20.00. Ich war vorher noch nie im "Rockpalast" gewesen. Auf den ersten Blick ist das Venue (incl. Empore) ganz cool. Nur der Sound war grenzwertig. Vor allem für die Band selber. Ich stand den größten Teil des UK Subs Konzertes direkt vor Charlie Harper und der hatte eigentlich die ganze Zeit keinen Monitor...hörte also von sich nix. Wunder der modernen Technik.

UK Subs
Aber von Beginn an: wie erwartet traf ich eine ganze Reihe sehr netter, bekannter Menschen. Angehende SeniorInnen auf Klassenfahrt. Das empfinde ich sehr entspannend. Dann eine Vorband, die - naja - wirklich nicht mein Ding war. Ich hörte, dass der Support am Tag zuvor in Aachen ganz, ganz schrecklich gewesen sein muss. So war es in Bochum natürlich nicht. Trotzdem war ich nicht unglücklich als die Dortmunder Band Assmatix nach einen guten halben Stunden den Weg für die UK Subs frei machten.
Alvin Gibbs
Paul - der beste Tourmanager schlechthin - erzählte mir vorher schon, dass sie eben auf jeder Tour eine andere Supportband hätten und dass das alles komplizierter machen würde. War TV Smith in all den letzten Jahren immer dabei gewesen, war es einfach: kurzes Changeover und vor allem ein verläßlicher Ablauf. Jetzt müssten sich die UK Subs jeden Abend - Blind Date - auf neue Leute und deren Zuverlässigkeiten/Unzuverlässigkeiten einstellen.
Steve Straughn
Die UK Subs - um es direkt zusammenzufassen - waren brilliant. Sie meisterten nicht nur suboptimalen Rahmenbedingungen im Blick auf den Sound: sie spielten einen sehr guten Set. War der in den vergangenen Jahren eher dadurch geprägt, dass er eher weniger Überraschungen bot, wurde für die Tour nochmal neu im großen Topf der vielen, vielen guten Songs geschüttelt. Das bahnte sich schon an, als die Band Ende des Jahres u.a. ihren 40-Jahre-Jubiläums-Gig spielten, der live via YouTube gestreamt wurde. Nicht nur Teile der vor wenigen Monaten veröffentlichen Singles wurden zu Gehör gebracht: auch Songs wie "Another Cuba" wurden gespielt. Überhaupt gehören ja die UK Subs zu den wenigen Bands, die über all die Jahre immer wieder etwas Neues rausgebracht haben und eben nicht nur aus dem alten Material existieren. Das ist schon extrem beeindruckend. So wie überhaupt die Band mich immer wieder zum Staunen bringt: Charlie Harper, der mit über 70 auf der Bühne rumtänzelt als wäre er dann doch 20 Jahre jünger - Alvin Gibbs, der stoisch seinen Bass spielt und mit dem fantastischen Drummer Jamie Oliver das Rückgrat der Band abbildet und dann eben Steve Straughan, der für mich der bisher beste Gitarrist in der Bandgeschichte der UK Subs ist.
Also: was will man mehr. Die UK Subs sind ein Phänomen und ich hoffe, dass die noch einige Jahre nicht nur mich erfreuen werden.

Jamie Oliver

Donnerstag, 11. Januar 2018

TV Smith & Vom (feat. Thomas Schneider) @ Duesseldorf, Pitcher (10.1.2018)

TVOM feat. Thomas Schneider

 Wie kann man - im Hinblick auf ein Konzert - ein Jahr besser beginnen als mit einem Konzert von TV Smith? Dazu noch: TV nicht allein, sondern mit Vom und Thomas Schneider. Musikalisch war es ein herrlicher Abend. Das Trio war launig aufgelegt. Am Morgen hatte Vom ein Video von der "Probe" in der Nacht zuvor in Netz gestellt. Die drei hatten Spaß in der Nacht und dann auch im Pitcher. Für einen Mittwochabend - und dann noch für Düsseldorf! - war das Pitcher am Ende ausverkauft. Und so startete ein Set, der zwar (leider) keinen neuen songs präsentiert ... der aber vom Anfang bis zum Ende (TV sagte, dass es ja schon Tradition sei, mit "Runaway Train Driver" zu enden) stimmig war. Auffallend war, wie gut und geschmeidig die drei auf der Bühne harmonierten. Ist es bei TV und Vom eh der Fall, empfand ich dieses Mal Thomas Schneider noch sehr viel besser als er eh schon ist. So gab es viel zu lachen. Das Video - siehe unten - gibt einen kleinen Einblick für das, was da vor den Songs vor allem zwischen TV und Vom hin- und herging. Kurzum: TV mit Vom zu sehen, hat einen hohen Unterhaltungswert.Und ich freue mich schon auf das nächste Konzert mit




It's Warming Up
Only One Flavour
No Time To Be 21
Expensive Being Poor
Immortal Rich
Generation Y
Replay
I Delete
The Drink
The Day We Caught The Big Fish
Waiting For The Axe To Drop
Pushed Again
My String Will Snap
Lion And The Lamb
Gary Gilmore's Eyes
Bored Teenagers
One Chord Wonders

Stacheldraht Mann
Lord's Prayer

Good Times Are Back
Runaway Train Driver



Montag, 1. Januar 2018

Rückblick 2017

Das Jahr 2017 war aus verschiedenen Gründen sehr bunt für mich. Im Blick auf Musik konnte ich viele, viele wunderbare Bands sehen. Und nicht nur das: auf Tonträger-Ebene gab es für mich wiederum neue Entdeckungen, die mein Herz höher schlagen ließen.
Diese Jahr also jeweils eine TOP 7.

Hier also zunächst die Top 7 der besten Konzerte, die ich in diesem Jahr sehen konnte:

1. The Skids @ Blackpool, Rebellion Festival
















Das beste Konzert auf dem Festival. Ein Traum ging da für mich in Erinnerung.

2. Cyanide Pills @ Essen, Freakshow













Die nach wie vor beste NEUE Punkband in unseren Tagen.

3. Shame @ Essen, Hotel Shanghai














DIE Entdeckung für mich in diesem Jahr. In kleineren Clubs unschlagbar.

4. Desperate Journalists @ Cologne, Blue Shell















Betörend und wunderbar. Eine fantastische Band.

5. Sonic Avenues @ Essen, Anyway














Diese Band aus Montreal hat mich umgehauen.

6. Spizz Energi @ Cologne, Sonic Ballroom















Eigentlich hatte ich NICHTS erwartet und erlebte die Wiedergeburt einer der Bands der zweiten Stunde des Punk.

7. The King Blues @ Cologne, MTC





















Sie sind wieder da und konnten an das anknüpfen, wo sie 2012 aufgehört haben. Outstanding!


Dann hier die TOP 7 der besten Alben in diesem Jahr:

1. Cyanide Pills - Sliced & Diced
Das dritte und beste Album dieser Band...wobei die beiden ersten schon fantastisch sind. Die werden immer besser.

2. Desperate Journalist - Grow Up
Wenn doch "Independent" immer so sein möge: voller Energie und wunderbarer Songs

3. Autobahn - The Moral Crossing
Voll Retro...aber genial. Ich liebe dieses Album.

4. Duncan Reid & The Big Heads - Bombs Away
Das perfekte dritte Album. Von A-Z ein Knaller.

5. Pog - Little Trophies
Diese Band aus Brighton ist ein Geheimtip: ein wunderschönes Album.

6. Bitter Grounds - Hollowlands
Diese Band aus Utrecht schießt den Vogel ab: wunderbare Songs/Melodien. Dutch-Punk!

7. Ramones - Leave Home (40 Anniversary Edition)
Ok. Nichts Neues. Aber diese liebevoll hergestellte Edition muss man einfach lieben.

Sonntag, 31. Dezember 2017

Protex @ Essen, Freakshow (29.12.2017)

Protex
 Da ich an dem Abend kein Auto zur Verfügung hatte, fuhr ich mit der S-Bahn von Düsseldorf nach Essen. Da die Freakshow sehr nah am Bahnhof Essen-Steele liegt, war es einfacher als gedacht. So verbrachte ich meinen Konzert-Jahresabschluss in dem Venue, das immer wieder zu überzeugen weiß: nette Menschen, die den Laden am Leben erhalten, eine überschaubare Größe, faire Priese, ein außergewöhnliches Design und eigentlich immer ein großartiges Publikum. Auch wenn an diesem Abend ein Idiot meinte, einen auf "Dicke Eier" machen zu müssen. Aber letztlich hat der sich dann auch nach einer klaren Ansage getrollt.
"Protex"aus Belfast spielten auf. Ich hatte die Band schon im August auf dem Rebellion Festival gesehen. Poppiger Punk / angepunkter Pop. Wie dem auch sei: eine sehr sympathische Band, die eine gute Stunde spielten. Die Band war auch früher - "damals" - nie durch ein besonderes Outfit aufgefallen. Schon damals wirkten sie auf den Fotos mehr als normal. Entscheidend ist ja eh, was quasi vorne rauskommt. Und dass sind zum großen Teil wunderschöne Songs mit ins Ohr gehenden Melodien. Und das Besondere: diese Band lebt nicht - wie so viele andere - nur von dem, was sie vor über 30 Jahren aufgenommen haben. In diesem Jahr kam ein neues Album "Tightrope" - auf einem Label in Österreich! - heraus, das sich mehr als sehen lassen kann. Auf der einen Seite schließt es an die alten songs nahtlos an. Auf der anderen Seite ist das neue Album alles andere als eine Reproduktion des Alten. Nicht allein das ist hervorragend. Protex ist keine Band, die wirklich oft spielt. Aber diese vier Musiker auf der Bühne zu sehen, macht einfach Freude: die spielen nicht nur mit viel Spaß, sondern sie spielen auch so, dass alles genau auf den Punkt sitzt. So kam ein guter song nach dem anderen. Ein Jahresabschluss kann eigentlich gar nicht besser sein.
Leider musste ich die Freakshow bei den Zugaben verlassen, um noch meine S-Bahn zu erreichen. Aber egal: es war ein toller Abend.



Samstag, 23. Dezember 2017

Peter and the Test Tube Babies & Dick York + The Originals @ Duesseldorf, Haus der Jugend (22.12.2017)

Peter And The Test Tube Babies
Was kann man erwarten, wenn Peter and the Test Tube Babies spielen? Ernsthaft nicht viel mehr, als dass es ein Abend sein möge, an dem man Spaß haben kann. Mehr ist aus meiner Sicht nicht zu erwarten. So hat diese Band vor allem einen nostalgischen Wert. War das erste Album "Pissed & Proud" schon ganz gut, brachte es die Band aus Brighton aber dann fertig, mit "The Mating Sound Of South American Frogs" eines der besten Alben dieser - je nach Zählart - dritten Welle des englischen Punk hinzubekommen. Dieses zweite Album ist von Anfang bis zum Ende genial und war insofern Segen und Fluch zugleich, als dass Peter and the Test Tube Babies danach niemals mehr nur ansatzweise nachlegen konnten. Für mehr als ein bis maximal zwei ganz gute Songs hat es nie mehr ausgereicht und auch das aktuelle Album ist eigentlich nicht wirklich gut. Es reiht sich ein in die Phalanx der neuen Alben der alten Helden wie Chelsea und The Adicts, die allesamt - wenn man sie ganz nüchtern betrachtet - doch sehr überflüssig sind. Aber wie dem auch sei. Das ist meine ganz subjektive Meinung. Trotzdem gucke ich mir Peter and the Test Tube Babies - wie auch Chelsea und The Adicts - immer wieder gerne an. Denn - um beim gestrigen Konzert zu bleiben - die Brightoner haben einen hohen Unterhaltungswert. Nicht nur, dass all die alten Hits gespielt werden. Jedes Jahr steht die Weihnachtstour unter einem neuen Motto.
Dalton Family
War es letztes Jahr Donald Trump, war es dieses Jahr der Knast. Inspiriert war das durch den Zwischenfall im August als der Sänger nicht in die USA einreisen durfte und unter Polizeiaufsicht direkt wieder in einen Flieger nach England gesetzt wurde. War es damals aufgebauscht worden, dass der Grund allein in der letzten Weihnachtstour lag, als der Sänger Donald Trump "parodierte", kam wohl noch erschwerend hinzu, dass er schlicht und einfach keine Arbeitserlaubnis für die USA dabeihatte. Jedenfalls hatte er als Reaktion drauf schon ein Knastoutfit in Blackpool. Und so stand der Frontmann dann wie der kleine dicke Cousin der Daltons auf der Bühne und bot gediegene Unterhaltung. Das Einstreuen von einigen neuen Songs war nicht schadhaft. Getragen war alles von dem frühen Material der beiden ersten Alben. Und das war auch gut so - und das wollten auch alle hören. Zudem ist noch anzumerken, dass die Band nach wie vor frisch und druckvoll spielt, so dass auch die vom Alkohol versetzte Stimme des Sängers nicht so schlimm ins Gewicht fällt. Kurzum: Peter and the Test Tube Babies boten rund 80 Minuten Party. Mehr nicht. Aber das extrem gut.
Was ich von der Vorband nun gar nicht berichten kann: Dick York & The Originals. Das war ziemlich abgestanden. "Not my Cup of Tea" - wie die Engländer sagen würden.
Nun denn. Viel wichtiger: da waren sehr viele nette Menschen. Und so war es ein wunderbarer Abend!

Donnerstag, 14. Dezember 2017

Family 5 @ Duesseldorf, ZAKK (13.12.2017)

Family 5 
Im Rahmen des "Lieblingsplatten-Festivals" traten gestern im ZAKK "Family 5" auf. Und das war wunderbar. War der Auftritt aufgrund der nicht besonders großen Ticketnachfrage in den Club verlegt worden, fand das Konzert dann doch in der Halle statt. Es war aber alles andere als ausverkauft...trotzdem passte es.
Peter Hein
Die Band spielte - wie es das Festival vorgibt - das erste Album "Resistance". Der Charme eines solchen Unternehmens ist ja, dass sich zum einem eine Band noch einmal mit einem ganzen Album auseinandersetzen muss und so das eine oder andere Lied mal wieder gespielt wird, was sonst endgültig in der Versenkung verschwunden wäre. Zum anderen kommt - wie in diesem Fall - ein Juwel zum Glänzen: wo es sich zeigt, dass ein tolles Debut-Album auch nach über 30 Jahren immer noch strahlen kann.
Und Family 5 haben das wirklich gut hinbekommen. Auch wenn Peter Hein zum Schluß meinte, dass er krankenhausreif sei (typische Ironie oder ehrlich Selbstoffenbarung) spielten die 7 Familienmitglieder das Album in einer Frische, die schlichtweg spaß machte. Nach dem Album kam quais der "Bonus-Set", in dem natürlich auch Songs des letzten Albums vertreten waren. Für diesen Part hatte sich die Band dann eine Besonderheit ausgedacht: für 4 Lieder kamen jeweils 4 Gast-Sänger/Sängerinnen auf die Bühne. Am Eindruckvollsten war dabei das Duett von Peter Hein mit Martina Weith (der ehemaligen Sängerin von Östro 430), die mit einer fulminanten Stimme überraschte.
Am Ende hatte die Band über 90 Minuten gespielt. Und es war ein großartiger Abend. Merkwürdig nur, dass für diese Band, die zum Feinsten der Bandlandschaft dieses Landes zählt, dann doch nicht so viele ins ZAKK kamen. Schon im Frühjahr im Haus der Jugend war die Besucherzahl eher mager. Merkwürdig. Diese großartige Band hätte mehr verdient.

Freitag, 8. Dezember 2017

Shame @ Essen, Hotel Shanghai (8.12.2017)

Rohe Energie: Shame
Wenn schon so eine grandiose Band direkt noch einmal in der Nähe spielt, ist das eine Aufforderung, sie mir noch einmal anzugucken. Diesmal spielten Shame im Hotel Shanghai in Essen. Dieses Venue kannte ich noch nicht. an sich ein ganz netter Laden mit einer eher kleinen Bühne. So klein, dass ich - an das Ende des Shame-Auftrittes in Köln (siehe vorherigen Blog-Eintrag) denkend - schon arge Bedenken hatte, dass sich jetzt erst Recht Gitarrist und Bassist ihre Instrumente dem jeweils anderen in irgendein Körperteil rammen. Aber: oh Wunder...auf engsten Raum beherrschten die beiden die Kunst, wie von ADHS geschüttelt rumzuhüpfen und sich doch passgenau aus dem Weg zu gehen. Respekt! So erlebte ich nun einen Set, der auch zu Ende gespielt werden konnte.

Es war ein Set, der vom Anfang bis zum Ende wahrhaft fantastisch war. Diese 5 jungen Engländer haben eine unglaubliche Energie. Auch wenn Sie keine 40 Minuten gespielt haben: sie sahen hinterher aus als hätten sie einen Marathonlauf hinter sich. Die geben alles. Allen voran der Sänger, der nach dem 4. Lied mal kurz vorne auf die Bühne kotzte nachdem er sich vorher halbwegs die Seele aus dem Leib geschrien hatte. Es ist eine Band, die spielt als wäre es das letzte Mal. Stand ich zu Beginn noch ein wenig weiter hinten, um wenigstens ein Video aufnehmen zu können, verbrachte ich die meiste Zeit direkt rechts vor der Bühne und ließ mich von dieser brachialen Energie berauschen. Ich habe allein dieses Jahr wirklich viele sehr, sehr gute Konzerte erleben können. Aber Shame werden dieses Jahr zu den TOP-Five der besten Konzerte gehören. Allein das letzte Stück "Gold Hole" hatte etwas Infernalisches: fast schien es, als würde jetzt alles außer Kontrolle geraten und die einzelnen Bandmitglieder aktivierten noch einmal die letzten Reserven. Besonders der Bassist stach hervor, wie er dann doch auf dem Rücken lag und seinen Bass mit so einer Art Bühnengardine verhedderte und zum Schluß einfach nur noch auf sein Instrument eindrosch. Großes Kino.
Als die Band ihren Auftritt beendet hatte, sprach ich noch den in Köln lädierten Gitarristen an, wie es seinem Kopf ginge. Er meinte, dass die Wunde nicht so tief gewesen sei aber dass sie trotzdem genäht werden musste. Dabei grinste er.
Hatte ich ursprünglich vor, mir dann noch den Hauptact "Gurr" anzugucken, entschied ich mich spontan, doch wieder nach Hause zu fahren. Das war einfach zu gut. Nichts gegen Gurr, aber Shame sind nicht zu toppen.



Donnerstag, 7. Dezember 2017

Shame & Gurr @ Cologne, Gebäude 9 (6.12.2017)

Rampensau
Vor einigen Wochen machte mich mein englischer Freund Martin auf die Band "Shame" aufmerksam. Sie seien aufregend...schrieb er mir. Als ich mir dann bei YouTube einige Videos von den 5 Engländern ansah, konnte ich diese Einschätzung nur teilen. 5 junge Engländer, die - so sagte es gestern der andere Martin treffend - auf "Rotzlöffel" machen. Musikalisch kann ich die gar nicht so richtig einordnen. Offiziell laufen sie unter dem Label "Post-Punk", das aber alles und nicht sagt. Der englische Martin hat in ihnen auch etwas von den frühen Killing Joke erkennen wollen. Es ist wohl so, dass da verschiedenste Zitate vorkommen. Jedenfalls hat die Band allein mit dem Stück "Concrete" einen Monster-song hervorgebracht. Und auch all die anderen Lieder sind klasse. So bin ich auf das Debutalbum des Quintetts gespannt, das Mitte Januar erscheinen wird.
Gestern nun im Gebäude 9 spielten Shame als Support für Gurr.
Shame!
Was soll ich sagen: der Auftritt war so wie ich ihn mir erhofft habe. Und so ist es vielleicht die Gunst der Stunde, eine - durch das ständige Touren - gut eingespielte Band mit einen tollen Energie auf der Bühne erleben zu können. Im Hintergrund ein blutjunger Schlagzeuger, der stoisch auf sein Schlagzeug einprügelt. Links der eine Gitarrist, der leicht unbeteiligt erscheinend sein Ding durchzieht. Dann rechts der andere Gitarrist, der keine Sekunde ruhig stehen kann und der nur noch durch den Bassisten übertroffen wird, der wild hin- und herspringt. Und dann der Sänger, der - so jung er auch sein mag - die großen Gesten schon voll drauf hat und - das alles sehr stimmig - jetzt schon eine enorme Ausstrahlung hat: die Rampensau schlechthin. So wirbelten Shame vom ersten Ton an auf der Bühne herum - und das war wahrlich beeindruckend. Es war nahezu perfekt. Wenn überhaupt - so wiederum der andere Martin - erschienen die 5 noch fast zu nett für das selbst gewählte Rotzlöffel-Image. Aber unter dem Strich war das eine extrem gute Performance, die schlicht und einfach nach Wiederholung schreit. Schon deshalb, weil der Auftritt keine halbe Stunde dauerte. Denn die beiden auf der rechten Seite - Gitarrist/Bassist - gerieten unfreiwillig aneinander, was dem Gitarristen eine dicke Platzwunde am Kopf einbrachte, so dass der Auftritt abgebrochen werden musste. Ok: es wäre nicht das erste Mal gewesen, dass einer der Musiker blutend auf der Bühne steht. Wiederum: ich hätte da auch nicht gerne weitergemacht während mir das Blut runtertropft. So spielten Shame eben nicht mehr "Concrete". Quasi ein musikalischer "Coitus Interruptus". Schade. Aber allein das, was ich gehört habe, war toll.

Gurr

"Gurr" hingegen haben mich nicht wirklich vom Hocker gehauen. Das Album der Band ist eigentlich sehr gut. Ich bin mir daher auch nicht sicher, warum sich meine Begeisterung in Grenzen hielt. War es der Kontrast zur Vorband? Lag es daran, dass ich in dem Moment lieber noch mehr von Shame gehört hätte...und der der unerwartete Abbruch des Sets dann doch schmerzte? Oder war es, weil ich zu Gurr alleine wohl gar nicht hingefahren wäre? Ich weiß es nicht. Jedenfalls macht die Band einen sehr ansprechenden Indie-Pop und Gurr konnten die anwesenden Menschen in Bewegung bringen. Also eine gute Band. Am Freitag spielen beide Bands dann in Essen. Mal sehen, wie Gurr dann auf mich wirken.

Sonntag, 3. Dezember 2017

The Adicts, Spizzzenergi & Cashbar Club @ Duesseldorf, ZAKK (2.12.2017)

The Adicts
Ich mag das ZAKK. Seit vielen Jahren gehe ich da immer wieder gerne hin...nicht nur zu Konzerten. Aber was wirklich nervt ist der Sound in der Halle. Ich weiß nicht was es ist: der Raum, die Anlage oder das Unvermögen der Menschen am Sounboard. Jedenfalls war am gestrigen Abend der Sound mal wieder grottenschlecht.
Opa vom Cashbar Club
Besonders übel war der Sound bei der lokalen Supportband: beim "Cashbar Club". Starteten die Düsseldorfer vor Jahren zuerst mit Coverversionen, die alle auf einen guten Musikgeschmack der Band verwiesen, so dreht sich nun das Konzept der Band. Auf der Setlist - so vermute ich - befanden sich bis auf das letzte Lied nur Eigenkompositionen. Da nun der Sound wirklich unterirdisch war, kam nun nicht mehr als ein Soundbrei herüber. Insgesamt hatte ich aber den Eindruck, dass die Band "rockigere" Pfade nun eingeschlagen hat. Und selbst der letzte Song - "Making Plan for Nigel" von XTC - konnte ich erst auf den letzten Metern eindeutig identifizieren. Das Schicksal der ersten Band/der Supportband, bei der der Sound auf dem Tiefpunkt begann.

Spizz
Erstaunlicherweise gab sich der Mischer bei "Spizzenergi" ein wenig - aber nur ein wenig - mehr Mühe. Ich sah die Band vor einigen Monaten im sonic Ballroom und war hellauf begeistert. Unter dem Strich war der Auftritt gestern exzellent...gleichwohl muss ich anmerken, dass Spizzenergi auf kleineren Bühnen besser platziert ist. Wie schon in Köln erwies sich Spizz als leicht durchgeknallter und herausragender Entertainer, der von einer sehr, sher guten Band begleitet wird. Es ist eine wahre Freude, die auf der Bühne zu erleben. Da die Band ja immer nur kurz tourt (und das nur ab und zu) und die einzelnen Bandmitglieder im Alltag noch anderes machen, ist es schon erstaunlich, dass die dann so einen gut aufeinander abgestimmten Auftritt hinlegen können. Respekt. Jedenfalls spielte die Band fast eine Stunde und das war gut so.

Karnevalist
Bei den Adicts ist es nun so, dass eigentlich von vornherein klar ist was kommt: eine Mischung aus vitalem Punk der frühen 80er Jahre und Karneval garniert mit einem recht hohem Vermüllungsfaktor angesichts des Konfettis, der Klohrollen und der diversen anderen Dinge, die ins Publikum gefeurt wurden. 75 Minuten Party. Eigentlich nichts anderes. "The Adicts" sind eine durch und durch professionelle Band, die - so war in der letzten Ausgabe des Ox zu lesen - mit wenig Bandproben auf einem sehr hohen technischen Niveau ihre Shows spielen. Der Umstand, das zwei der neuen Songs des brandneuen Albums auf der Setlist landeten, veränderte nichts am Gesamtkonzept. Und so ging dann im ZAKK die von allen erwartete Party ab. Kaum einer ließ sich vom immer noch schlechten Sound wirklich runterziehen. Und dass es auf der Empore zum Schluß noch eine handfeste Keilerei gab, lag weniger am Grottensound sondern vielmehr am zu hohen Alkoholgenuss von einigen Menschen mit einem massiven Agressionsproblem. Am Ende kam das obligatorische "You'll Never Walk Alone" - by the way: die einzig wirklich gute Version dieses Songs - zu dem sogar dann Spizz noch auf die Bühne kam und es flogen wieder die großen Bälle durchs Publikum. Also: wenig Neues...aber das erwartet auch niemand (mehr) ... dafür aber erstklassige Unterhaltung.