Montag, 7. August 2017

Rebellion Festival, Blackpool - Wintergardens (6.8.2017)

Grande Finale
Das Grande Finale! Der letzte Tag. Und – um es vorwegzunehmen – er fing super an und endete mit einem wahren Paukenschlag.

Pete Bentham and the Dinner Ladies
Im „Opera House“ spielte zuerst „Pete Bentham and the Dinner Ladies“. Pete Bentham ist ein Künstler aus Liverpool, der durch Texte, Performance usw. eine wunderbare Verbindung von Humor und wirklich guten Songs hinbekommt. Das Quartett inkl. einer Saxophonistin wurde von zwei Dinner-Ladies-Tänzerinnen ergänzt, die jeweils außen auf der ausreichend großen Bühne synchron tanzten oder irgendwelche zu den Songs passenden Dinge taten. Das hat als Einstieg in den Tag nicht nur Spaß gemacht. Wiederum: wo es zu Beginn des Tages oft von den Besucherzahlen noch sehr übersichtlich gestaltet, war es für die Liverpooler ziemlich gut gefüllt. Absoluter Tip. Pete Bentham kommt auch ab und zu nach Deutschland auf Tour.

Inca Babies
Danach spielten die aus Manchester stammenden „Inca Babies“. Ich muss zugeben, dass ich nur den Namen kannte und eins oder zwei Stücke vor irgendwelchen Samplern aus den 80er Jahren. Ich saß da und erwartete entsprechend nicht viel. Der Sound ist – sehr vielsagend! – „postpunk“ tendenziell düster. Und die waren gut. Ich kannte zwar keinen einzigen Song, aber die Band spielte einen ziemlich guten Set. In der Hälfte des Auftritts stand auf einmal ein Trompeter auf der Bühne und der Sänger meinte lakonisch, dass er mal ein wenig Jazz in den Punk bringen wolle. Und das hörte sich klasse an. Solche Variationen sind genau das, was Musik interessant macht. So war ich positiv überrascht.
Aber es sollte noch besser werden...aber nicht direkt.

Rock'nRoll Gypsies
Denn auf die Inca Babies folgte eine Band, von denen ich noch nie gehört hatte: „Rock’n’Roll Gypsies“. Der Name allein ist irgendwie komisch. Neugierig wollte ich sehen, was sich dahinter verbarg. Am Ende entpuppte sich das als „Projektband“ u.a. mit dem schon gestern erwähnten Chelsea-Bassisten und Monique aus Düsseldorf. Der Set war nun alles andere als mein Ding: sehr rockig. Aber gut gespielt und Monique hat eine gute Stimme. Jedenfalls war ich über diese Konstellation so überrascht, dass ich mir den ganzen Set anguckte. Im Sitzen ist das eh ok. Und ob ich mein Baguette im Cafe oder im Opera House esse: das weiche Weißbrot schmeckt so oder so mäßig. Also: kein Highlight. Aber da die Band das auch für eine gute Sache macht, war das mehr als in Ordnung.

Urban Dogs
Auf die nächste Band im Opera House war ich sehr gespannt: die „Urban Dogs“. An sich eine Band von Charlie Harper und Alvin Gibbs von den UK Subs zusammen mit Knox von den Vibrators. Letzterer war aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage, nach Blackpool zu kommen. Für ihn spielte der eine Gitarrist der „anderen“ Sham 69 (also die ohne Jimmy Pursey), der wohl mal ganz am Anfang bei den „eigentlichen“ Sham 69 dabei gewesen war...oder wie auch immer es gewesen ist. Die „Urban Dogs“ sind – unter dem Strich eine Blues-Version der UK Subs. Das ist nicht böse gemeint. Aber allein die beiden UK Subs Songs „Limo Life“ und „Warhead“ zeigten das: anders arrangiert – eben als Blues-Nummern – hörten die sich sehr interessant an. Auch die anderen Songs waren gut. Also das ist eigentlich nicht wirklich so mein Ding, aber das hatte schon was. Und es hatte allein insofern etwas Besonderes, als dass Liveauftritte dieser Band extrem rar sind. Und es waren auch viele Menschen in das Opera House gekommen. Charlie Harper ist eben ein Magnet. Er ist ein Original. Und wie er auf dem Festival – am Merch stehend – mit den Leuten umgeht, ist schon sehr sympathisch.

Vibrators
Es folgten die „Vibrators“ und das Opera House war vollbesetzt. Zu meiner Überraschung spielte wieder der Gitarrist, der vor Jahren dabei war – und dessen Name mir gerade nicht einfällt....der früher bei den Members dabei war. Der andere – der in den letzten Jahren gespielt hatte, wurde...so erzählte es mir Gareth...wegen zu viel Trunkenheit rausgeworfen. Es war ein energiegeladener Auftritt. Das haute richtig rein. Die Band nutzte jede Sekunde ihrer Zeit auf der Bühne. Vielleicht war das einer der besten Auftritte, den ich bisher von den Vibrators erlebt habe. Und noch etwas: angesichts des Gitarristen spielte die Band auch „Sound of the Suburbs“ von den Members. Im Vergleich zu den Members zwei Tage zuvor, wurde deutlich, wie gut oder schlecht ein Song gespielt werden kann. Ich dachte auf jeden Fall sofort bei der Vibrators Version, dass es doch besser gewesen wäre, wenn die auch die anderen Members-Stücke gespielt hätten. Die Vibrators zeigten sich also von ihrer besten Seite. Hochachtung!

Zounds
Dann kam eine Band, auf die ich mich besonders gefreute habe: „Zounds“. Ich werde nie vergessen, als mir Joost das erste Album vorspielte und auch auslieh. Ich sehe jetzt noch die TDK-Kassette vor meinen Augen, die ich damals sehr oft in den Rekorder reingeschoben habe. Ich kaufte dann auch nach und nach alle Singles. Es gibt eigentlich keinen einzigen Song aus dieser Anfangsphase der schlecht oder mittelmäßig ist. Leide habe ich die Band nie gesehen. 2015 in Blackpool spielten sie am letzten Tag ganz zum Schluss und da war ich vollkommen durch und hörte auch, dass der Sänger vollkommen betrunken gewesen sein muss. Jetzt war er nicht betrunken...machte aber einen körperlich und psychisch angeschlagenen Eindruck. Trotzdem spielte die Band einen hinreißenden Set, in dem das erste Album und einige Single-Tracks vertreten waren. Absoluter Hammer. Dazu der tolle Sound des Opera Houses. Ich saß da glücklich und zufrieden.

Ballspiele
Dann kam ein Break für das Essen und ich ging recht früh in den „Empress Ballroom“. Und da sah ich noch den Restauftritt von „The Last Resort“: eine Skindhead/Streetpunk Band. Hmmm. Musikalisch ging das sogar noch. Aber ich bekomme immer ein ungutes Gefühl, wenn ich diese Bands sehe: Grauzone! Witzig war aber, dass eines zur Attitüde der Band bzw. des Auftritts nicht zusammenpasste. Hatten vorher „Dirt Box Disco“ den Empress Ballroom zum Kochen gebracht, hatten die wohl auch große Standbälle unters Publikum geschmissen. Davon waren noch einige da und wurden immer wieder auf die Bühne geworfen. In gewisser Weise wurde die „ernste“ Botschaft der Band so unterlaufen und immerhin bewies die Band auch Humor, in dem sie die Bäller immer wieder zurück ins Publikum kickten. Ich war da übrigens auf der Empore – direkt gegenüber der Bühne. Da wurde ein Stuhl frei neben einem wirklich sehr, sehr dicken Skinhead. Ich fragte ihn, ob ich mich neben ihn setzen könne bzw. ob er mir Platz machen könne. Er war ernst furchteinflößend, aber er machte mir Platz, was aber dazu führte, dass auch andere aufgrund seiner Leibesfülle aufstehen mussten. Kleine Frage – großer Aufwand. Als er dann endlich wieder saß...es ist ein Wunder, dass der Stuhl das überhaupt ausgehalten hat, wandte er seinen Kopf zu mir...und lächelte...und ich sah, dass ihm einige Zähne fehlten. Wie gut, dass sich Rebellion dadurch auszeichnet, dass es extrem friedlich dort zugeht.

Anti Pasti
Es waren jetzt noch drei Bands auf dem Programm – für den Empress Ballroom. Zunächst sollten „Anti Pasti“ spielen. In den frühen 80er Jahren hatte die Band zwei ziemlich gute Alben. Dann hat sich die Band vor ein paar Jahren wieder zusammengetan und sogar ein neues Album eingespielt. Mit dem Original-Sänger gab es dann wohl Krach und nach einigen Umbesetzungen sprang für das Festival der Sänger von Chron Gen ein. Letztes Jahr (?) hat die Band auch in Düsseldorf gespielt und ich hörte an sich nur schlechte Reaktionen: kaum altes Material und das alte war kaum wieder zu erkennen. Ich kann das jetzt auch bestätigen. Es war einer der schlechtesten Auftritte, die ich dieses Wochenende gesehen habe. Auch wenn der Sänger sehr textsicher war, auch wenn die Band technisch nicht schlecht gespielt hat: es war so etwas von seelenlos. Nur schnell...und bei der Band ist das eher nicht gut. Und selbst das an sich tolle Stücke „No Government“ war ziemlich verhunzt. War der Empress Ballroom bis zum Oxygenenzug immer vollgefüllt, war er bei der Band vielleicht zu einem Viertel belegt. Also das ist eine Reunion, die besser nicht stattgefunden hätte.

Richie Ramone
Gespannt war ich dann auf „Richie Ramone“. Neben Marky und CJ ist er der dritte der Überlebenden Ramones (aus der zweiten Reihe), die mit Band touren. Er hat mittlerweile zwei Solo-CDs rausgebracht, die beide „ok“ sind. Als ich die Ramones mein einziges Mal gesehen habe – 1985 in Bochum – saß er am Schlagzeug. Wie auch die beiden anderen hat er recht junge Musiker dabei. U.a. auch eine Bassistin, mit der er wohl jetzt auch zusammen ist: alter Mann...junge Musikerin. Was soll ich nun zu dem Auftritt sagen. Der Sound war wirklich ganz mies. Ist er im Empress Ballroom eh nie besonders gut, war das bisher fast das schlechteste, was ich rein akustisch geboten bekommen habe. Aber der ganze Auftritt war auch nicht viel besser. Es ist ok, wenn er das eine oder andere Stück – der Ramones – umarrangiert hat. Aber wenn man ein tolles Stück wie „Somebody put something in my Drink“, das er ja geschrieben hat, so versaubeutelt, dass es a. kaum wieder zu erkennen ist und b. als ich es endlich wieder erkannt habe all das Besondere verloren hat, was es vorher ausgemacht hat. Also: das war wirklich ein Enttäuschung. Dagegen half auch nicht, das Richie Ramone abwechselnd Schlagzeug spielte und dabei sang...was wirklich eine besondere Leistung ist...und dann wieder vorne am Mikro stand. Ne. Das war nichts.

Das Finale war ein „Grande Finale“: die „Skids“. Im Sommer 1980 habe ich diese Band ausgiebig gehört. Die beiden ersten Alben sind der absolute Hammer. Wobei ich „Days in Europe“ immer einen Tacken besser fand. Auch „Absolute Game“ – das dritte Album – ist sehr gut. Leider sind die kaum auf den Kontinent gekommen. Jedenfalls haben sie in Deutschland – soweit ich weiß – niemals gespielt. Schon vor einigen Jahren gab es eine Reunion. Natürlich ohne Stuart Adamson, der sich vor Jahren tragischerweise das Leben nahm. Aber die Reunionshows fanden allesamt um 2010 in Schottland statt. Und nun waren sie 2017 wieder da und haben sogar ein neues Album aufgenommen...und standen da jetzt im Empress Ballroom.
Skids
Und was soll ich sagen: es war das beste Konzert – für mich – auf diesem Festival. Da stimmte alles. Die Band hatte ihren eigenen Mischer dabei, der die Kunst beherrschte, in diesem Venue einen guten Sound hinzubekommen. Die Band spielte fantastisch. 80 Minuten hauten die einen Hit nach dem anderen raus. Alle hatten einfach Spaß. Und Richard Jobson – der Sänger – war in absoluter Topform. Er tanzte herum und seine Stimme ist so wie „damals“. Wenn es ein wirklich gelungenes Reunion in diesem Jahr gegeben hat, dann war es dieses. Obwohl es schon sehr spät war und ich unter anderen Umständen längst ins Hotel zurückgekehrt wäre, stand ich da und mein Herz war voller Freude. Brilliant. Ich hatte es gehofft, da ich via Pledge mir den Live-Mitschnitt vom Konzert aus dem Roundhouse im Juni zugelegt hatte und eben schon hören konnte, wie die Band heute klingt. So fantastisch die Live-CD ist: vor der Bühne zu stehen und diese Band live zu erleben, hat alles getoppt. Ab und zu schaute ich um mich: überall waren nur lächelnde/grinsende Gesichter. Alle sangen mit. Es wurde getanzt. Niemand stand einfach nur da. Absoluter Hammer! Müsste ich heute eine Top 15 der für mich besten Konzerte der letzten 40 Jahre aufschreiben: dieses Konzert wäre definitiv dabei.


Als sich die Masse dann langsam aus dem Empress Ballroom herausbewegte, stand ich draußen. Frische Luft. Dass es regnete, war nicht weiter schlimm. Der Weg zum Hotel war kurz. Ich traf Nick, den Hotelbesitzer. Er war auch beim Auftritt der Skids gewesen.
Ich fiel ins Bett schlief sofort ein und wachte nur einmal auf, als Stunden später die Finnen, die in den Hotelzimmern neben mir waren, von der letzten Pubrunde zurückkamen: laut, betrunken und unfähig, das Schloss vom Hotelzimmer zu finden. Aber auch dann schlief ich wieder ein – mit einem Lächeln.

Sonntag, 6. August 2017

Rebellion Festival, Blackpool - Wintergardens (5.8.2017)

Hands Off Gretel
Der Samstag ist besonders voll. Das liegt schon daran, dass es nicht wenige gibt, die eben nur am Wochenende beim Festival sind. Bis zwei Ausnahmen war nun dieser Tag quasi ein „Day at the Opera“.
Die erste Ausnahme war „Hands off Gretel“. Die vierköpfige Band spielte sehr früh im „Empress Ballroom“. Habe ich es in den Vorjahren öfters erlebt, dass da Bands zu früher Stunde vor einer kleinen Schar aufspielen mussten, war es bei „Hands off Gretel“ aber anders. Der Empress Ballroom war vor der Bühne gut gefüllt. Und die Band spielte einen sehr interessanten Set. Guckt man auf ihre Facebook-Seite kann man lesen, dass die Engländer hauptsächlich von amerikanischen Bands beeinflusst sind: „"The sound we make is raw, influenced strongly by 90s female fronted grunge bands, we get loud and shouty and soft and pretty, it’s frustration music from a girl in her room shouting out at the real world." Sie sind aber keinen stumpfen Klone, sondern haben ihren eigenen Stil entwickelt. Zudem ist die Sängerin – Lauren Tate – schon wirklich gut: als Sängerin wie auch als charismatische Frontfrau. Gute Band, die im September auch auf Tour nach Deutschland kommen wird.

V2
Dann ging ich wieder ins „Opera House“ und sah „V2“. Ich erinnerte mich, von dieser Band schon einmal gehört zu haben. „V2“ stammen aus Manchester und gehören zu den ganz frühen Punk-Bands mit einigen Glam-Einflüssen. Und es war en toller Auftritt. Ich saß da und war ganz hin und weg. „V2“ sind ein Beispiel dafür, dass eine alte Band es immer noch kann und dabei weder peinlich noch langweilig ist. Zudem spielten sie auch ein „Joy Division“-Cover: „Shadowplay“. Dieses Cover war extrem gut gelungen – zudem erzählte der Sänger, dass sie sich damals wohl mit Joy Division einen Proberaum geteilt haben. Leider gab es an deren Merchstand keine CDs, sondern nur ein wirklich hässliches T-Shirt zu kaufen. Vielleicht war diese Band die Überraschung des Festivals. Jedenfalls habe ich damit nicht gerechnet.

The Proles
Es folgten am gleichen Ort das „The Proles“. Das ist eine aus dem Norden Englands – Newcastle - kommende Band, die sich um 1978 formiert hatte. Die meisten Sachen von denen sind auf dem legendären „Small-Wonder-Label“ erschienen. Es ist quasi so etwas wie eine poppige Variante des Punk. Äußerlich sprang die Band ein wenig aus dem Rahmen: der Sänger sah aus als könnte er auch einem Psychedelic-Festival auftreten und der Gitarrist kam mit Perücke und Indianerfeder auf die Bühne. Hmmm. Musikalisch war es gut...nett. Die Proles haben mich nicht begeistert. Vielleicht muss man diese Band auch eher in einem Pub oder zumindest auf kleiner Bühne sehen. Trotzdem war ich froh, eine dieser alten Bands jetzt einmal gesehen zu haben. So wie „V2“ würden die Proles wohl niemals nach Deutschland kommen.

Duncan Reid and The Big Heads
Dann kamen „Duncan Reid and The Big Heads“. Auf diesen Auftritt habe ich mehr gefreut – und ich wurde nicht enttäuscht. Duncan Reid, der ehemalige Sänger und Bassist von „The Boys“ hat vor einiger Zeit sein drittes Album rausgebracht, das extrem gelungen ist. Ich hatte ihn schon im letzten November in Düsseldorf gesehen und war sehr angetan gewesen. Der Auftritt im „Opera House“ war umwerfend. Alle vier spielen mit einer Spielfreude, die nur einfach anstecken kann. Duncan Reid mit seinen „um die 60“ tanzt wie gewohnt auf der Bühne herum. Die Gitarristin wirbelt gleichfalls herum als hätte sie eine Überdosis Coffein intus...der neue Gitarrist ist schon fast der ruhende Pol im Ganzen...und die zierlich anmutende Schlagzeugerin hat rein als gäbe es kein Morgen. Beeindruckend! Und dazu eben wunderbare Songs. Als ich Duncan Reid das allererste Mal solo sah, war die Setlist eine ausgewogene Mischung aus alten Boys-Songs und neuen Stücken. Diesmal kamen nur ganz zum Schluss zwei Boys-Nummern: „Sick on you“ und „Brickfield Nights“. Das wars. Und das zeigte, dass Duncan Reid sich jetzt endgültig freigeschwommen hat und dass er mit seinen eigenen Stücken nun wirklich auf eigenen Beinen steht. Top Konzert!

Notsensibles
Dann – fast schon atemlos – ging es weiter mit meinen „Lieblingen“: den „Notsensibles“. Ich bin ein großer Fan dieser Band aus Burnley. Vor nicht allzu langer Zeit hatte ich das große Glück, die ursprüngliche Version des einzigen Albums „Instant Classic“ – das mit dem roten Cover! – zu kaufen. Die „Notsensibles“ mag ich vielleicht deshalb auch so gerne, weil sie auf unverwechselbare Weise den Humor in den Punk implantiert haben. „I’m In Love with Margaret Thatcher“ ist eh ein Knaller...so wie sowie das Album und alle anderen Singles. Ich habe die Band 2006 und 2014 schon in Blackpool sehen können. Jedes Mal habe ich mir ein T-Shirt gekauft. Jetzt auch wieder. Und der Auftritt war – wie konnte es auch anders sein – fantastisch. Sie starteten mit „Little Boxes“ und endeten mit „The Telephone rings again“. Und sie spielten natürlich auch eines meiner Lieblingslieder: „I’m the Bishop“. Chris – einer der TUTS – kommt ursprünglich auch aus Burnley und war mit dem Sänger in einer Klasse in der Schule. Chris war natürlich auch im Opera House und erzählte, dass der Sänger schon damals eher durchgeknallt....aber eben genial war. Tja – da saß ich da und hatte wohl während des gesamten Auftritts ein großes Grinsen im Gesicht. Hammer!

The Lurkers
Nach den Notsensibles füllte sich das Opera House, denn es sollten „The Lurkers“ spielen. In letzter Zeit gab es ein öffentlich ausgetragenes Gezanke zwischen den drei Ex-Lurkers-Musikern – allen voran Pete Stride -, die aktuell als „Lurkers GLM“ ein Album rausgebracht haben, und Arturo, der seit vielen Jahren mit seiner Band als „The Lurkers“ durch die Lande touren. Pete Stride hatte in einem Interview in der „Vive Le Rock“ behauptet, dass Arturos Band eigentlich nur eine Cover-Band ist, was dann Arturo nötigte, in der nächsten Ausgabe seine Sicht kundzutun...usw. Letztlich konnte sich Arturo dann auch den einen oder anderen Seitenhieb gestern nicht verkneifen. Arturos Version der Band spielt die alten Songs und eben die von ihm selbst. Und darauf kam Arturo dann auch zu sprechen: er spielt eben nicht nur das alte Material, sondern auch das Neuere. Jedenfalls wurde deutlich, dass sich Arturo derzeit in einer Rechtfertigunsschleife befindet, die allein dadurch am Leben gehalten wird, dass jetzt eine CD-Box mit den ersten beiden Alben und den Singles veröffentlicht worden ist und diese von den anderen promotet wird...und in den Interviews wieder das Thema „Original/Coverband“ befeuert wird.
Auf jeden Fall war das „Opera House“ voll bis zur Empore und die Anwesenden hatten ihren Spaß. Und ich fand, dass Arturos Lurkers extrem gut gespielt haben.

Louise Distras
Ich ging dann erst einmal etwas essen. Und ging dann in den Pavillion, um „Louise Distras“ mit ihrer Band zu sehen. Anders als noch im letzten Jahr war jetzt nur noch der Gitarrist dabei. Statt einer Drummerin saß da jetzt ein spanischer Drummer und am Bass war der Bassist von Chelsea.
Louise Distras spielte auch den einen oder andern neuen Song, der auf dem neuen Album erscheinen wird. Die letzten Wochen hatte Louise Distras eine Kampagne durchgeführt, um Geld für die Aufnahmen des Albums zusammenzubekommen. Das war erfolgreich und so freue ich mich darauf, hoffentlich im neuen Jahr das neue Album in den Händen halten zu können. Der Auftritt war klasse. Louise Distras gibt auf der Bühne alles – und es ist jedes Mal so, als würde sie ihre Seele aus dem Leib schreien. Sie ist ja ein Mensch, die sich gesellschaftlich-politisch klar positioniert...und für die Musik und vor allem die Möglichkeit, selbst Musik machen zu können, das Lebenselixier ist.

Zurück im „Opera House“ spielten „The Drones“ auf. Das ist auch eine alte Manchester Band aus dem Jahre 1976. Ich muss gestehen, dass ich von denen früher mal das erste Album gehört habe. 1982 waren sie wohl mit Chelsea auf Tour zusammen mit Chron Gen und ich hatte im Frühjahr 1982 bei einem Auftritt von Chelsea im Marquee quasi als Vorprogramm einen Film über diese Tour gesehen. Jedenfalls spielten sie an diesem Abend das erste Album – Further Temptations – komplett. Das war gut – sehr gut. Wie viele alte Bands ist es auch bei den Drones so, dass nicht mehr alle Originalmitglieder dabei sind. Der Sänger starb – soviel ich weiß – vor einigen Jahren. Aber die Band spielte in der aktuellen Formation frisch und es machte Spaß. Abzug in der A-Note gab es dann aber, als die Band nach dem ersten Album zwei neue Songs spielten, die wirklich schlecht waren.

Ich hätte jetzt noch weiter bleiben können. Doch ich hatte genug – im positiven Sinne. Lieber früher mal ins Bett und frisch sein für den letzten Tag. Da spielen nämlich „The Skids“.

Samstag, 5. August 2017

Rebellion Festival, Blackpool - Wintergardens (4.8.2017)

Lauren Tate (Hands Off Gretel)
Der Freitag begann mit einem Treffen im „Punch & Truncheon“ – im traditionellen Pub der TUTS. Gareth, Phil und Chris waren da – sowie als „Neuzugang“ Boris aus München. Irgendwie – so nett alle vier sind – hatte es auch etwas Bedrückendes. Alan fehlte – wie auch einige andere wie Fred, der aus gesundheitlichen Gründen schon länger nicht mehr nach Blackpool kommen kann.
Ich ging dann zum Wintergardens, um noch etwas zu essen – und um mir rechtzeitig einen Platz im zentralen Pub des Venues zu sichern, wo die „Almost Acoustic Stage“ verortet ist. Denn TV Smith sollte da spielen und es würde voll werden. Hinterher traf ich auch einige, die nicht mehr hineingekommen waren.
So bekam ich eine junge Künstlerin mit, die zusammen mit einem Gitarristen vor Tim ihren Auftritt hatte. Sie entpuppte sich als Sängerin einer Band, die ich am heutigen Samstag eh angucken wollte: „Hands Off Gretel“. Der Soloset war gut. Die Band ist eher von der amerikanischen (Grunge)Szene beeinflusst, was auch bei dem einem oder anderen Lied durchschimmerte. Ansonsten hatten die Songs – vor allem die beiden letzten, die Lauren Tate alleine sang – einen starken Folkeinfluss. Und irgendwie – auch wenn es ein anderes Genre war – passte das Cover „What’s Up“ von den „4 Non Blondes“ in einer eigenwilligen Version reinpasste. Das war ein guter Auftakt.

TV Smith
Dann kam TV Smith. Eigentlich sollte er am Samstag als Headliner auf der Acoustic Stage spielen. Aber da war vom Rebellion-Team übersehen worden, dass er ja am Samstag – wie zwei Tage zuvor die UK Subs – auf dem Wacken Festival spielen sollte. So wurde alles noch rechtzeitig umarrangiert und er spielte am frühen Nachmittag – jetzt aber nur für eine halbe Stunde. Aber diese halbe Stunde hatte es in sich: sechs der neuen Songs spielte er. Und es sind wahrlich große Songs. Je öfter ich sie höre, desto mehr bin ich auf die Studioversionen gespannt. Wenn der „Rest“ dann so ähnlich sein wird, wird auch das nächste Studio-Album von Tim ein brillantes Zeugnis eines außergewöhnlichen Künstlers. Tim erwähnte dann auch, dass er am nächsten Tag auf dem größten Heavy-Metal-Festival spielen sollte. Dort wird er von Vom unterstützt, der auch noch Geburtstag hat. Der organisierte Wahnsinn ist damit vorprogrammiert, ist doch Vom mehr als ein Feiertier und es wird sicherlich eine Riesenparty werden.

Protex
Der nächste Anlaufpunkt war dann wieder das „Opera House“. Dort sollten „Protex“ aus dem nördlichen Teil Irlands spielen. Protex gehört in die Riege von den Outcasts, Defects usw. – in gewisser Weise waren/sind sie die eher harmlosere Ausgabe der damaligen Szene. Mein Freund Joost sagte mal, das sie so als „Lehrer-Band“ gehandelt worden sind. Das trifft vielleicht zu. Trotzdem haben sie wunderbare Songs damals veröffentlicht und erst im letzten Jahr ein neues Album auf einem österreichischen Label (!) veröffentlicht. So war der Set eine bunte Mischung aus alten und neuen Liedern. Und es war auch nett zu beobachten, dass Mitglieder z.B. der Outcasts aber auch anderer Bands im Publikum waren. Und wie ich dann von Tine – von „The Ones In Charge“ – erfuhr, spielen sie Ende des Jahres in Essen....was sehr schön ist. Jedenfalls war es ein toller Auftritt, der genauso so war wie ich erhofft hatte.

TV Smith and the Bored Teenagers
Auch wenn es für manche vielleicht langweilig klingt: der Auftritt danach von Tim als „TV Smith and the Bored Teenagers“ war ein weiteres Highlight. Hatte er am Abend zuvor die alten Adverts-Songs gespielt, waren jetzt am Nachmittag die Songs „danach“ dran. Ich hatte wegen Müdigkeit den Auftritt am Abend zuvor sausen lassen, aber den Auftritt im Opera House wollte ich mir nicht entgehen lassen. Allein schon deshalb, weil in dieser Konstellation die Post-Adverts-Songs nicht so oft gespielt werden. Analog zu dem Adverts-Set spielte die Band die Mischung aus Explorers-Cheap-Solo-Songs quasi ohne Unterbrechung. Ein Hit jagte den nächsten. Die Band spielte fabelhaft – auf den Punkt – perfekt. Und Tim war – man konnte es ihm ansehen – einfach glücklich. Es ist einfach schön zu sehen, wie er nach so vielen Jahren jetzt eine Band hat, mit der er sich blind versteht und die es spielerisch schaffen, seine Songs passgenau umzusetzen. Sicherlich ich habe Tim – ob solo oder mit Vom oder mit Band – schon sehr oft gesehen. Mittlerweile 75 mal. Doch das Besondere ist, dass es nie langweilig wird. Und das liegt einfach daran, dass er wenn nicht mit neuen Songs mit einem hohen Qualität immer aufs Neue überraschen kann.

Johnny Moped & Band
Da wo ich saß, blieb ich dann einfach sitzen: der nächste Auftritt war der von „Johnny Moped“. Ich war ja von seinem Konzert im Juli im Kölner Museum sehr begeistert gewesen. Jetzt gab es aufgrund des Zeitplans eine abgespecktere Setlist. Unter dem Strich war der Auftritt sehr, sehr gut. Einschränkung war einfach die, dass so eine Band weniger auf eine riesige Bühne des Opera House passt, sondern auf eine kleinere Bühne muss. Aber das war eigentlich nebensächlich. So kann ich meinem Text zum Juli-Auftritt eigentlich nicht viel mehr hinzufügen. Vieles stimmte überein. Erwähnenswert wäre aber, dass es zwischenzeitlich einige „technische Probleme“ gab, weil dem einen Gitarristen eine Saite gerissen war und er dann mal verschwunden ist. Ratlosigkeit bei den anderen und dann einfach mal etwas anderes spielen als das, was auf der Setlist stand. Die Band kann improvisieren – muss es aber auch. Das ließ aufblitzen, dass Johnny Moped und seine Band eh den Ruf haben, ein wenig chaotisch zu sein.

Godfathers
Dann ging ich etwas essen und kam zurück, um mir die „Godfathers“ anzugucken. Ich erlebte da aber im Opera House noch die Band davor: „Mongey Crew“. Das waren durchgeknallte Musiker, die ein Lied (?) spielten, wo ein Saxophonist zu dem monotonen Getrommel des Schlagzeugers improvisierte und ein Gitarrist irgendetwas dudelte. Alle war absurd angezogen und der Sänger (?) schrie dauernd „Fuck You“ ins Mikro und machte öbzöne Gesten und torkelte auf der Bühne herum. War das Kunst? Ich weiß es nicht. Jedenfalls – weil die Band (?) einfach nicht aufhören wollte – wurde dem Ganzen durch die Rebellion-Crew ein Ende gesetzt, in dem sie den Vieren einfach den Strom abdrehten. Kalter Abgang.
Die Godfathers jedenfalls brachten allein äußerlich wieder Stil in das Opera House. Markenzeichen von denen ist ja, in Anzügen aufzutreten. Ist es eine Band, die mich von den Veröffentlichungen her nie so ganz mitgerissen hat, können sie live überzeugen. Gerade weil sie jetzt in Blackpool spielten, musste ich viel an Alan während des Auftritts denken. Eines seiner Lieblings-T-Shirts war eines der Godfathers und er erzählte oft, dass er sie wieder gesehen habe und wie toll er sie finden würde. So hatte dieser Auftritt nicht nur Stil, sondern war in jeder Hinsicht voller Dynamik und da die Band quasi ihr „Best-of“ spielte, war es keine Sekunde langweilig. Gute Band.

JC Caroll & The Members
Als letztes sah ich dann an gleicher Stelle „The Members“. Ich liebe die beiden ersten Alben. Und JC Caroll – der Sänger und Gitarrist – ist ein netter Kerl. Und an sich war der Auftritt auch toll. Und – jetzt kommt die Einschränkung – es war aber kein „Members-Auftritt“. Es war ein Konzert von JC Caroll, der auch Members Songs spielte. Das war auch fantastisch. Gerade auch weil ein zweiter Gitarrist dabei war und so der klassische Members-Gitarren-Sound voll zum Ausdruck kam. Und da waren viele Hits dabei wie z.B. „Solitary Confinement“, „Sound of the Suburbs“ oder „Offshore Banking Business“. Aber da waren dann auch die JC Caroll-Songs der letzten Jahre, die alle so etwas Blues-mäßiges haben. Und das ist dann doch unter dem Strich zwiespältig. Ich hatte ihn schon 2006 in Blackpool gesehen – nicht als „The Members“ sondern unter seinem Namen. Da war es genau umgedreht: die neueren Sachen hat „man“ in Kauf genommen und sich dann über die alten Hits gefreut. Hmmm. Vielleicht ist das ja alles ein wenig zu eng gesehen. Egal. Trotzdem hat es Spaß gemacht.

Ich hatte dann aber auch genug. Und ich merkte, dass ich müde wurde. Also ging ich ins Hotel. Ich hörte von der Ferne wieder den letzten Auftritt auf der Außenbühne: D.O.A. – und die hörten sich selbst aus der Ferne grottig an.

Freitag, 4. August 2017

Rebellion Festival, Blackpool - Wintergardens (3.8.2017)


The Shrives
Ich bin schon recht früh zum Wintergardens gegangen. Ich wollte mir auf jeden Fall eine der DVDs über das Rebellionfestival sichern, für das in den Jahren 2014-2016 gedreht worden war. Und wie es so ist: ich traf jede Menge nette Menschen...aus Deutschland...einige der TUTS...aber auch solche, die ich in den letzten Jahren schon in Blackpool getroffen hatte: eben „Social Meeting“.
Ich begann dann mit den Konzerten bei der „Introducing Stage“. Da spielen die Bands, die das erste Mal beim Festival sind. Alles eher Unbekannte(re), die eine Chance erhalten.
Da ich eben schon recht früh da war, sah ich dann „The Shrives“. Ich katte nur im Hotel noch deren Facebook-Seite kurz sehen können. Was mir nur auffiel, dass das Cover ihres Debutalbums cool aussah. Diese vier jungen Briten entpuppten sich weniger als Punkband sondern mehr Indie/Alternative Rock. Einige wunderbare Stücke waren in ihrem knapp halbstündigen Set: tolle Melodien/gute Songs. Als die Band dann hinterher am Eingang stand, sprach ich den einen Gitarristen an, da sie keinen Merchstand hatten. So bekam ich noch ihr Album für den lächerlichen Preis von 5 Pfund.

Red Light Rebels
Danach spielten „Red Light Rebels“, von denen ich vorher auf YouTube einige Videos gesehen hatte. Allein am Aussehen war erkennbar, dass ein Vorbild The Clash waren. Der Auftritt war alles andere als schlecht, doch wirklich begeistern konnte mich diese Band nicht. Gerade auch im Kontrast zu der Band davor, die sehr gekonnt unterschiedliche Genres im wahrsten Sinne spielerisch miteinander verknüpften – vom Britpop bis zu einer Prise Rockabilly – waren die Red Light Rebels eher monoton. Spätestens nach dem dritten Stück stellte sich bei mir der Eindruck ein „Hast Du ein Lied gehört, kennst Du alle“ und dieser Eindruck wurde auch nicht mehr von der Band revidiert werden.
So wanderte ich weiter ins „Opera House“. Da war ich in den vergangenen Jahren nie drinnen gewesen, weil es schlicht und einfach nicht für das Festival geöffnet war. Es ist ein wunderbarer Konzertraum – wie der Name schon sagt. Entsprechend ist das der Raum, wo der Sound einfach nur gut ist. Und das Besondere – was für mich in meinem Alter alles andere als unwichtig ist: man kann da sitzen. Unter dem Strich...um das vorwegzunehmen...war ich am Ende des Tages natürlich müde, aber nicht so kaputt vom vielen Stehen wie in den Jahren davor. Und da eh im Opera House die meisten Bands spielen würden, die ich gerne sehen möchte, stellte sich bei mir eine große Entspannung ein.

The Tuts
Als erste Band sah ich dort die „Tuts“. Das ist eine dreiköpfige Frauenband, die nichts mit den TUTS (TV Smith United Tour Supporters) zu tun hat. Das Trio hatte schon im letzten Jahr in Blackpool gespielt und fiel dann wohl dadurch auf, dass sie irgendwann betrunken eine Bühne zum Leidwesen aller anderen gestürmt haben. Irgendwie – auch wenn der Vergleich nicht wirklich stimmt – erinnern mich die Tuts an „Bananarama“: drei Frauen – und da stimmt der Vergleich sowieso nicht – die selbst die Instrumente spielen...aber eben leichte aber schön poppige Songs und ein toller Wechselgesang. Die drei hatten auf jeden Fall Spaß und auch das Publikum, dass im Nachmittagsbereich im Opera Hose noch nicht wirklich zahlreich war. Jedenfalls spielte die Band als letztes Stück noch eine gelungene Version von „Rudie can’t fail“ von The Clash. Hatte ich ursprünglich gar nicht vor, mir die Tuts anzugucken, war ich dann hinterher froh, dass ich es getan habe.

POG
Danach kamen „Pog“ aus Brighton. Ich hatte die Band schon 2014 gesehen und war sehr begeistert gewesen. Damals war das ein Zufall gewesen, dass ich auf die Band gestoßen bin. Pog sind recht folklastig und machen viel mit Bands wie den „Astronauts“ zusammen. Also linkes Lager, politisch ambitionierte Texte und ein sehr, sehr sympathisches Auftreten. Erst vor wenigen Wochen habe ich das neue Album der Band erhalten und es ist wie auch die Vorgänger wunderschön. Und das kann ich dann auch von dem Auftritt dieser Band sagen: 6 Menschen auf der Bühne inklusive Instrumenten wie Klarinette und Geige. Um die 45 Minuten spielten die Südengländer. Und was mich besonders freute, dass eines ihrer besten Songs mit auf der Setlist war: Class War.
Allein die Tatsache, dass gerade bei Pog das Opera House recht leer war, fand ich speziell für die Band schade. Die nahm es sportlich mit Kommentaren, dass sie schon einmal vor zwei Leuten gespielt haben. Aber trotzdem. Die Band ist wirklich super.

In Evil Hour 
So sprintete ich – gut ausgeruht – in den Empress Ballroom. Da spielte gerade „In Evil Hour“. Die Band kommt aus dem Norden Englands und spielen wie sie es selbst bezeichnen „Hardcore Punk“. Hmmm. Drei Männer und eine Sängerin. Ich habe mir über Bandcamp-Seite ihre bisherigen Veröffentlichungen vor einiger Zeit mal angehört und fand die ganz gut. Live haben die mich jetzt nicht vom Hocker gerissen. Aber – das war der schöne Nebeneffekt – ich erblickte Gareth, einen der TUTS, den ich heute - am Freitag - mit einigen anderen dann im Pub treffen werde. Gareth ist jemand, der auch wie ich einen Faible für die US-Amerikanische Hardcore-Szene hat. Wir beiden mögen ganz besonders "OFF!", die Band von Keith Morris, dem ehemaligen Sänger von "Black Flag" und vor allen von den "Circle Jerks". Bei den Rebellion Festivals treffen wir uns meistens, wenn eine dieser Bands dort auftritt. Auch er war im Express Ballroom, um die Band zu sehen, die genau in die eben benannte Kategorie passt.

Pears
So traten nach einer Umbaupause die „Pears“ auf. Um die Band wird ein ziemlicher Hype gemacht. Die Pears kommen aus New Orleans und werden von sehr vielen extrem gelobt. Amerikanischer Hardcore ist an sich immer gut. Und wenn jetzt eine neue Band am Start ist, dann ist das mehr als interessant. Aber die waren mau. Der Sänger versuchte sich als Henry Rollins Klon. Die Songs waren wenig originell. Und – nach jedem (!) Song machte die Band eine Pause als müssten sie erst einmal Luft holen. Auf die Dauer war das ermüdend. Und es half auch nicht, dass die Band diese Pause mit irgendwelchen Einspielungen von Musikfetzen (meist aus Musicals oder so) zu überbrücken versuchten. Es ist klar: bei einem irren Tempo zu spielen, ist enorm anstrengend. Aber z.B. Bands wie „Off!“ aber auch die meisten anderen amerikanischen Bands dieses Genre, die ich kenne, spielen immer Blöcke von 3-5 Songs bevor sie mal Luft holen. Aber – zum Glück – spielten die Pear nur eine knappe halbe Stunde und da mit war der Spuk vorbei. Ernsthaft: Grottenschlecht!

London
Danach ging ich erst einmal etwas essen. Gestärkt davon trottete ich wieder in das Opera House, wo eine der ganz alten Bands „London“ spielen sollten. Die Band gehört quasi zur ersten Generation der Punkbewegung, wobei die dann sehr schnell in der Versenkung verschwunden sind. Ist nun das Rebellion-Festival schon immer auch ein Anlass gewesen, dass Bands nach vielen Jahren wieder etwas zusammen machen, so war das dann auch bei London der Fall. Aber in diesem Fall wäre es wohl besser gewesen, wenn sie da geblieben wären, wo sie 1977 verschwunden waren. Es war einfach langweilig. Dave, den ich traf, war sogar ganz außer sich. Wir saßen nebeneinander und er erzählte mir vorher, wie sehr er sich auf diese Band freuen würde. Und schon nach dem ersten Stück verdunkelten sich seine Gesichtszüge. Immer wieder hörte ich ihn „Horrible“ rufen und entgegen seiner ursprünglichen Absicht verließ er das Venue, weil er nicht länger mitansehen wollte, wie eine von ihm an sich sehr geschätzte Band die alten Songs an die Wand fuhr. Da ich wenig Bezug zu der Band hatte, war bei mir nur die Langeweile, die ich aber in Kauf nahm, weil ich bequem saß.

Peter and the Test Tube Babies
Nach einem ausgiebigen Rundgang im Merchbereich ging ich dann wieder in den Empress Ballroom wo „Peter and the Test Tube Babies“ spielen sollten. Die Band hatte insofern in diesen Tagen Aufmerksamkeit erzeugt, als dass der Sänger bei der Einreise in die USA vor einer Woche in San Francisco an der selben gehindert wurde. Ihm wurde auf dem Flughafen ein Video gezeigt, in dem er auf der letzten Deutschland Tour Donald Trump parodiert und das war Grund genug, dass er kurzerhand wieder in ein Flugzeug nach London gesetzt wurde. Mal abgesehen davon, dass sich daran zeigt, in welchem desaströsen politischen Zustand sich die USA derzeit real befinden, lässt das für Zukunft nichts Positives erahnen. Der Sänger jedenfalls reagierte auf diesen Zwischenfall indem er in einem klassischen orangenen Häftlingshemd, wie es in den USA üblich ist, auf die Bühne kam.
Der Auftritt war dann wirklich gut. Ich staune immer wieder, dass diese Band so einen großen Unterhaltungswert hat. Und sie hat sich auch teil-erneuert: ein neuer Bassist und ein neuer Schlagzeuger. Und beide sind wirklich gut, so dass der Sound der Band m.E. gewonnen hat. Und diese Teil-Erneuerung scheint insofern auch Früchte getragen zu haben, als dass im September nach langer Zeit wieder ein neues Album erscheinen wird. Zwei Stücke dieses Albums spielten die Test Tube Babies auch. Und der erste Höreindruck ist so, dass es sich wohl lohnen wird.

An diesem Abend wollte ich nun auf jeden Fall noch „Toyah“ ansehen. Also ging ich wieder in das Opera House und sah noch eine knappe halbe Stunde den Set von „Rubella Ballet“. Diese Band hatte ich auch schon einmal vor Jahren – 2011 – in Blackpool gesehen und sie waren wie schon damals ziemlich gut.
Toyah
„Toyah“ fand ich 1980 sehr gut: die ersten beiden Alben sind klasse. Alles, was danach kam, war mir zu glatt und zu rockig: sehr viel Mainstream. Als ich Toyah 2011 das erste Mal in Blackpool sah, war das ein toller Set mit einer guten Mischung aus alten und neuen Liedern. Im Opera House war jetzt natürlich der Sound sehr viel besser als damals im Pavillion. Aber es war dann doch ein gemischtes Erlebnis: die neueren Songs überwogen und die alten waren teilweise anders arrangiert. Zudem erlaubte sich Toyah zwei Coverversionen, von denen eine voll in die Hose ging: als erstes spielte die Band „Echo Beach“ von „Martha and the Muffins“. Es ist ein fantastisches Lied, das mich wiederum 1980 durch den Sommer begleitet hat. Aber die Version von Toyah war wirklich fürchterlich. Besser war dann schon das Cover von „Billy Idols“ „Rebel Yell“. Aber warum gerade das? Es war überflüssig gerade auch angesichts des Umstandes, dass Toyah so viele gute Songs aus ihrer Anfangszeit hat und die links liegen ließ. So wurde auch zu meinem Bedauern nicht „Ieya“ gespielt. Hmmmm. Anderseits: Toyah ist 59 und sprang und tanzte wie eine 20jährige über die große Bühne. Sie ist eben ein Vollprofi. Und hatte sie 2011 wohl noch sehr versucht, sich dem Festival anzupassen, und hatte daher eine Setlist zusammengestellt, die den alten Stücken Rechnung trug, so zog sie jetzt im Opera House ihre normale Show durch. So blieb es bei einem gemischten Erlebnis: eine tolle Toyah, ein super Sound und eine nicht optimale Setlist.
Als der Set beendet war, merkte ich, dass ich doch einfach müde war. So ging ich ins Hotel zurück. Es war ein guter erste Tag auch wenn die eine oder andere maue Band dabei war. Mal sehen, wie es am Freitag sein wird.

Donnerstag, 3. August 2017

Blackpool Stories Vol.1

Das ist jetzt mein sechstes Festival in Blackpool. Anders als beim letzten Mal – 2015 – war die Anreise vollkommen stressfrei. Wie schon 2014 hatte ich mich entschlossen, nicht erst am ersten Festivaltag in Blackpool zu sein sondern schon einen Tag zuvor. So kam ich am Manchester Flughafen an und in der langen Reihe vor der Passportkontrolle waren schon viele Menschen zu erkennen, die das gleiche Ziel wie ich hatten. Als ich bei der Kontrolle an der Reihe war, fragte mich der Grenzbeamte, dass ich doch sicherlich nach Blackpool zum Festival will. Er grinste dabei und sagte mit rollenden Augen: „Big Punk Festival“ und wünschte mir dann – als er mir meinen Ausweis wieder in die Hand drückte – viel Spaß.
In Blackpool angekommen – es schien die Sonne – ging ich nach dem Besuch beim Geldautomaten zum Hotel. Auf dem Weg kam ich bei Wintergardens vorbei und holte mir direkt mein Wochenendbändchen. Was mir aber auf dem Weg vom Bahnhof bis zum Hotel mehr als ich die Augen sprang war dieses: Blackpool hat schon immer einen ziemlich runtergekommenen Eindruck gemacht, aber dieses Jahr empfinde ich das noch extremer. Einige Ladenlokale, die immerhin in der Vergangenheit irgendwie belebt waren, standen leer. Sehr viel mehr Obdachlose und alles noch dreckiger. Irgendwie ist das spooky. Bedenkt man, dass ein großer Teil der Bevölkerung dieser Gegend für den Brexit gestimmt hat, bekommt das noch eine weitere Dimension. Jedenfalls wird der Brexit Blackpool nicht auf die Sprünge helfen.
Ich kam dann zu dem Hotel, wo ich all die letzten Jahre auch gewesen war. Und das führte mir dann umso mehr vor Augen, dass dieses Jahr Rebellion auch anders sein wird. Als ich 2006 das erste Mal in Blackpool war, traf ich viele TUTS und vor allem Alan, mit dem ich mich anfreundete. 2008, 2011, 2014 und 2015 haben wir vieles gemeinsam auf dem Festival unternommen, waren eben im gleichen Hotel untergebracht. Und dort sind eh über die Jahre immer wieder die gleichen Leute, so dass es dort immer sehr vertraut zugeht. Doch dieses Jahr wird Alan fehlen. Er verstarb im letzten November. Ich hatte ihn noch im letzten August kurz nach Rebellion an einer anderen Stelle in England getroffen und er war so voller Hoffnung. Doch daraus wurde leider nichts. Bei aller (Vor)Freude, mit der ich dieses Jahr nach Blackpool gekommen bin, ist da auch eine Trauer mit dabei. Speziell als mir Nick, der Hotelier dann gestern noch ein groß kopiertes Foto zeigte...mit Alan, Fred und mir...aus dem Jahr 2011, das er im Eingangsbereich mit einigen anderen Fotos der letzten Jahre aufhängen will. Das wurde es mir schon sehr schwer ums Herz. Zusätzlich, weil auch Fred, den ich seit 2006 gut kenne, aus gesundheitlichen Gründen einfach nicht mehr kommen kann.
Den anderen TUTS wird es auch so gehen und wenn wir uns – traditionell – im Pub treffen werden, wird uns das begleiten.

Mal sehen wie nun heute der Tag wird. Es regnet auf jeden Fall...wie schon die ganze Nacht. Wie Paul, der den Merchbereich auf dem Festival managt, mir noch vor wenigen Tagen geschrieben hat: es würde eben in seiner Heimatstadt immer regnen. Was das aber für die diesjährige Außenbühne bedeuten wird...also im Regen zu stehen...darauf habe ich nicht so große Lust. Aber mal abwarten.

Samstag, 8. Juli 2017

Johnny Moped & The Nopes @ Cologne, Museum (7.7.2007)

Johnny Moped
Schöne Konzerte sind vor allen die, bei denen man im Vorfeld nicht zu hohe Erwartungen hat. War es ein kleine Sensation, dass Johnny Moped nach Deutschland für zwei (!) Konzerte kommen würde, stellte sich bei mir direkt die Frage ein, ob das funktionieren könne. Und: ob sich das wirklich lohnen würde. Natürlich: Johnny Moped ist eine Legende...aber auch Legenden haben schon fürchterlich Abgesänge hingelegt. Dann war mir aber recht schnell klar, dass ich hingehen müsse. Auch auf dem Hintergrund, dass das "aktuelle" Album "It's A Real Cool Baby" ziemlich gut ist. So stand ich dann vor dem "Museum", das im Bermuda-Dreieck vom MTC, Luxor und vom Blue Shell liegt. Ein netter kleiner Laden, den ich sicherlich nicht zum letzten Mal besucht haben werde. Der Gig war nicht ausverkauft und doch waren genug Menschen da, um das "Museum" an diesem Sommerabend recht schnell auf Sauna-Temperatur zu bringen.
Das Lächeln spricht für sich
Als Support spielten die Nopes, die so waren wie sie eben sind. Und dann standen gegen 21.30 Johnny Moped mit seiner Band auf der Bühne. Und es folgte ein sensationeller Set, der alles bot, was das Herz an so einem Abend begehrt: tolle Songs, Spielfreude, gute Stimmung im Publikum und eben einen Sänger, der in vielfacher Hinsicht einzigartig ist. Mittlerweile ein älterer Herr, den man ohne seine markante Nietenweste draußen auf der Straße eindeutig als freundlichen, leicht unsicher wirkenden Pensionär einordnen würde, der dann auf der Bühne sein Ding macht. Dabei wird er von einer sehr versierten Band im wahrsten Sinne des Wortes unterstützt. Denn Johnny Moped hat es in seinem Leben alles andere als leicht gehabt und das merkt man ihm an. Und gleichzeitig - deshalb ist er auch eine Legende: er ist mit seiner Art und Weise und mit seinen Songs einfach unverwechselbar. Es ist gar nicht so einfach einzuordnen, was er da zu Gehör bringt: Protopunk, Punk, Pubrock. Irgendwie ist es eine ziemlich geniale Mischung aus allem. Und nicht umsonst haben die Toten Hosen, denen man ja einen guten Musikgeschmack unterstellen kann, auf der "Learning English Vol.2" einen der "Hits" von Johnny Moped "Darling, Let’s Have Another Baby" gecovert.
Der Set war also ein Mix der drei Alben und allein schon der Opener "V.D. Boiler" machte sofort klar, wo es langgehen sollte. Und wo ich auch hinguckte: alle hatten ein Lächeln im Gesicht.
Die Band spielte eine knappe Stunde und am Merchstand war dann reger Betrieb. So legte ich mir dann das erste Album als Vinyl zu und fiel dann zufrieden zu Hause angekommen in mein Bett. In Blackpool auf dem Rebellion Festival wird Johnny Moped auch spielen. Ich denke, dass ich ihn mir erneut ansehen werden. So was erlebt man nicht alle Tage.

Das war die Setlist:

V.D. Boiler
Panic Button
Real Cool Baby
I Believed Her Lies
Bert Bullet Head
Loony
Honey Bun
He’s Got It
Make Trouble
No One
Catatonic
Post Acocalypse Love Song
Save The Baby Seals
Hell Raiser
Rock’n’Roll Rookie
Hard Lovin Man

Darling, Let’s Have Another Baby
Little Queeny
Incendiary Device

Sonntag, 2. Juli 2017

Kraftwerk & Air @ Duesseldorf, Ehrenhof (1.7.2017)

Noch leere Konsolen
Ich kenne die Alben von Kraftwerk ab "Autobahn". Es ist und bleibt eine Ausnahme-Band. Live haben mich Kraftwerk aber nie wirklich interessiert. Wohl deshalb, weil ich - wohl zurecht - immer vermutete, dass effektiv das Meiste, was zu hören wäre, eh nur vom Band kommen würde. Also eine Band, die mehr etwas für den Platten- bzw. CD-Spieler ist. Trotzdem muss ich zugeben, dass ich einige Augenblicke überlegt, als das Konzert im Ehrenhof anlässlich des Grand Depart angekündigt wurde. Aber die Tatsache, dass dieses Konzert quasi direkt ausverkauft war, nahm mir die Entscheidung aus der Hand. Dann am 1. Juli um 18.50: ein Anruf, dass ich umsonst (!) zwei Tickets haben könnte. So machte ich mich direkt mit meinem Sohn auf den Weg und wir fanden uns bei unerwartet schönem Wetter im Ehrenhof wieder.
Als Support spielte die französische Band "Air". Hmmm. Nicht schlecht, aber irgendwie vollkommen langweilig.
Dann ziemlich genau um 21.00 Kraftwerk. Die Setlist weist quasi eine Best-Of aus - und es war eine gute Auswahl. Und wirklich nett war die 3-D-Annimation. Und eigentlich wäre es perfekt gewesen, mit der 3-D-Brille auf der Nase einfach das Optische und Akustische zu genießen. Das war aber leider eher schwierig...und das lag am Publikum: da waren zu viele Event-Fans, die weniger wegen der Band sondern mehr wegen des Ereignisses an den Rhein gekommen waren. Gequatsche überall. Das war wirklich nervig. Sicherlich: auf der Bühne passiert quasi gar nichts...und je größer so ein Veranstaltungsort ist, desto mehr führt das in Kombination dazu, dass Leute sich ausklinken. Trotzdem: da zahlen die um die 60-70 Euro - soweit ich die Ticketpreise erinnere - und hängen dann da plappernd ab. Dabei war das wirklich ein zweistündiges, erstklassiges Programm. Und wer weiß, wie oft es noch die Möglichkeit gibt, diese Band auf einer Bühne zu sehen. Ist doch das letzte Originalmitglied mittlerweile um die 70 Jahre alt. Also: tolle Band, super Setlist, klasse Video...zum Teil ignorantes Publikum.

Nummern
Computerwelt
It's More Fun to Compute
Heimcomputer
Computerliebe
Die Mensch-Maschine
Spacelab
Das Modell
Autobahn
Tour de France 1983
Tour de France Étape 1
Chrono
Tour de France Étape 2
La Forme
Vitamin
Nachrichten
Geigerzähler
Radioaktivität
Trans Europa Express

Die Roboter

Aéro Dynamik
Boing Boom Tschak
Techno Pop
Musique Non Stop

Montag, 26. Juni 2017

TV Smith @ Essen, Anyway (25.6.2017)

TV Smith!
TV Smith im Anyway in Essen: das ist immer wieder wunderbar. Jedes Mal wenn ich das Anyway betrete treffe ich nette Leute. Gerade an diesem Abend waren von denen sehr viele da. Das ist das Besondere auch vom Anyway. Es gibt kalte Läden oder eben die, in man willkommen ist und in denen eine Atmosphäre herrscht, die ein freundliches Miteinander kultiviert. So hatte ich die Gelegenheit auch mit vielen zu reden...auch mit Tim und seiner sehr netten Lebensgefährtin, die ihn auf der Mini-Tour begleitet hat.
Ich habe TV nun dort bei Kalle und Annette schon sehr oft gesehen. Ist das Anyway eh eine wunderbare Kneipe, sind Tim's Konzerte dort immer speziell. So auch an diesem Sonntagabend. TV war solo unterwegs und das würde bedeuten, dass er einige seiner neuen Songs spielen würde. Tim spielte ca. 1 3/4 Stunden und es war ein schöner Mix aus alten Adverts-Songs und Liedern aus seiner Solo-Phase. Es ist schon überragend, aus welchem umfangreichen "Back-Katalog" TV schöpfen kann: 40 Jahre, in denen er teils unter schwierigen Umständen (kein Plattenvertrag u.ä.) trotzdem wunderbare Songs geschrieben hat. Und auch wenn er jetzt 61 Jahre alt ist, wird er einfach nicht müde... und macht weiter. So auch einer der zutreffenden Kommentare nach dem Konzert: Wo andere nur noch das Alte reproduzieren, ist es bei TV Smith eben anders. Er ist schon ein Ausnahme-Künstler!
Und die neuen Songs sind wirklich hervorragend... mal wieder. Speziell "Land Of The Overdose" ist ein absoluter Übersong! Es wird spannend sein, diese Stücke dann als Studio-Versionen zu hören - vermutlich wieder mit den üblichen Verdächtigen wie Vom eingespielt. Ich hoffe mal, dass spätestens zu Beginn des nächsten Jahres das neue Album erscheinen wird...unter der Voraussetzung, dass er auch die Zeit dazu findet. So umtriebig wie er ist, ist es immer kompliziert, genug Zeit und Ruhe für die Aufnahmen zu finden.
In diesem Zusammenhang: von TV gibt es seit einiger Zeit ein kleines Buch mit Lyrics. Neben der Paperback-Version gibt es eine Special Edition in einer Box: künstlerisch erste Sahne und das Lyrics-Buch als Hard-Cover...zudem eine 10Inch, die TV zusammen mit Henry Rollins aufgenommen hat. Nicht ganz billig...aber mehr als nur ein Sammlerstück! Hier kann man die Box bestellen: BOX.

Das war die wunderbare Setlist:

Only One Flavour
Clone Town
Hometown
My Place
No Time To Be 21
No Control (Neu)
We Stand Alone (Neu)
Written Out (Neu)
Lion And The Lamb
I Delete
Replay
Coming in to Land
Expensive Being Poor
Immortal Rich
Keys to the World (Neu)
No Hope Street (Neu)
Land of the Overdose (Neu)
My String Will Snap
Useless
What If?
Pushed Again
Great British Mistake
Generation Y
Gather Your Things And Go
Good Times Are Back
Gary Gilmore's Eyes
Bored Teenagers
One Chord Wonders

It's Warming Up
The Day We Caught The Big Fish
The Future Used To Be Better
Runaway Train Driver

Sonntag, 18. Juni 2017

The Slow Show & Glasgow Coma Scale @ Duisburg, Traumzeit Festival (16.6.2017)

The Slow Show
Manchmal gibt es schöne Zufälle. Burkhard, mit dem ich einige Tage vorher bei Dinosaur Jr gewesen war, hatte bei einer Verlosung für Tagestickets für das Traumzeit Festival teilgenommen...und gewonnen und mir freundlicherweise eins davon überlassen. Danke noch einmal von dieser Stelle aus! So hatte ich die Gelegenheit, nachdem ich schon letztes Jahr da gewesen war, erneut diese wirklich tolle Location zu besuchen. Auch wenn das Lineup für mich nicht so faszinierend war, allein dieser Landschaftspark ist eine klasse Kulisse für so ein Festival. Zudem ist alles sehr relaxt und es gibt wunderbare Fressbuden.
Glasgow Coma Scale
An diesem Abend wollte ich auf jeden Fall "The Slow Show" sehen, die ich schon Ende 2015 im ZAKK erlebt hatte. Zuvor spiele noch eine "Postpunk"-Band aus Frankfurt: "Glasgow Coma Scale". Hmmm. Zwei Brüder - einer an der Gitarre - der andere am Bass - sowie ein Schlagzeuger. Postpunk ist ja alles und nichts. Irgendwie war das instrumentaler Ambient-Prog-Rock. Nicht uninteressant...aber auf die Dauer auch ein wenig langweilig. Mal abgesehen davon, dass ich das Gefühl bekam, dass die eh immer das gleiche Stück in Variation spielten, ist das so eine Musik, wo man schon einen im Tee haben muss: dann mag das seinen besonderen Charme haben. Trotzdem: war ok...aber eine Wiederholung brauche ich nicht.

Charismatischer Sänger
Dann warten wir auf den Einlaß für "The Slow Show", die in der Gießhalle spielen sollte. The Slow Show kommen aus Manchester und machen schlicht und einfach schöne Musik. Klassisch Kategorie "Independent". Nichts Wildes...eben einfach nur schön. Hervorstechend ist der Sänger, der allein mit seiner Stimme einen in den Bann nimmt. Auf der Bühne passiert entsprechend auch nicht viel. Es scheint fast so, als würde alle Bandmitglieder in sich ruhen und nur darauf bedacht zu sein, ans Herz gehende Melodien hervorzuzaubern. Umso nerviger war dann der "Festival-Effekt": da eben so ein Festival wie eine Pralinenschachtel ist und einem entsprechend nicht alles schmeckt, sind eben - so die Natur der Sache - im Publikum immer auch Leute, die einfach mal gekommen sind, um zu gucken. An sich ist das ja nicht das Problem. Aber wenn die dann einfach rumlabern, mit dem Rücken zur Bühne quasi eine Gegenveranstaltung abhalten...laut sind, dann geht das schon tierisch auf den Keks. Speziell bei einer Band, die viele leise Töne im Gepäck hat. Burkhard, der ein großer Fan dieser Band ist, versuchte auch einige besonders nervige Zeitgenossen dann bei der obligatorischen Selfi-Rudelbildung mit einem zusammengeknüllten Taschentuch zu bewerfen...leider ohne Erfolg. Nun denn: das alte Lied. Respekt gegenüber einer Band und Rücksicht auf die anderen, die einfach nur die Musik genießen wollen, ist eben alles andere als normal.
Nach dem ca. 60minütigen Set der Band verabschiedete ich mich dann aber. Ich war müde. Die Woche war trotz Urlaub voll gewesen und ich fuhr beseelt von einem wunderbaren Set der Slow Show wieder nach Hause.

Das war die Setlist von The Slow Show:

Strangers now
Dresden
Augustine
Dry my bones
Paint you like a rose
Hopeless town
Ordinary lives
Hurts
Breaks today
Flowers to burn
Bloodline

Freitag, 16. Juni 2017

Killing Joke & Grave Pleasures @ Bochum, Zeche (14.6.2017)

Killing Joke bitten zum Tanz
Tag 2 in der Bochumer Zeche. Diesmal war ich mit Jürgen da. Wir beiden hatten Killing Joke schon im Dezember in der Kölner Kantine gesehen... und befunden, dass es sich lohnen würde, diese Band noch einmal zu sehen. Als Support war eine finnische Band - Grave Pleasures - angekündigt, die auf den ersten Blick nichts Tolles verhieß. Allein der Name. Ok. Typisch Finnland, wo eh alles ja ein wenig dunkel ist. Dann aber auch die Beschreibung auf der Facebook-Seite: "Apocalyptic Death-Rock". Also war irgendwie so ein Metalkram mit Schreistimme zu erwarten, entpuppte sich diese finnische Band als richtig gut: irgendsoeine Mischung zwischen Glam, Gothic und Rock. Die Texte waren - dem Bandnamen entsprechend - düster, aber der Rest war unterhaltsam und kurzweilig. Zudem waren die Musiker auch noch sehr sympathisch. Also: der Support war schon einmal sehr gut. Erwähnenswert in diesem Zusammenhang: obwohl der Einlass erst um 19.00 war, fing die Vorband schon um 19.30 an und hörte exakt nach einer halben Stunden auf.
Sie können lächeln!
So standen Killing Joke um 20.30 auf der Bühne und spielten 90 Minuten. Sehr zuvorkommend für die hauptsächlich älteren Herrschaften, die sich in der wiederum nicht ausverkauften Zeche versammelt haben. Der Set war gegenüber Köln leicht verändert: "New Cold War", "Change", "Turn to Red" sowie "Complications" waren nicht mehr im Programm. Dafür spielte die Band "Sun Goes Down ", "Asteroid", "Corporate Elect" und "

The Death and Resurrection Show". Der Sound in der Zeche war wieder einmal sehr gut und insgesamt hatten alle Spaß. Ab und zu gab das eine oder andere technische Problem mit dem Schlagzeug, so dass die gewohnt theatralischen Einleitungen des Sängers zu einzelnen Liedern leicht verpufften, weil der Schlagzeuger noch nicht anfangen konnte. Aber das war nicht schlimm. Die Band war eh gut drauf. Alle vier plus der Frau an den Keyboards waren recht ausgelassen und hatten einfach bock zu spielen. Jaz Coleman gebührt schließlich noch insofern Respekt, dass er trotz der Wärme in der Zeche sein Outfit bis zum Schluß anbehielt: Der muss wie Sau geschwitzt haben...was man ihm aber nicht ansah. Um 22.00 war dann Schluß und wir fuhren zufrieden wieder nach Düsseldorf. Killing Joke? Immer wieder!

Das war die Setlist:
The Wait 

Autonomous Zone 

Love Like Blood 

Eighties

European Super State 

Sun Goes Down

Unspeakable 

Wardance 

I Am the Virus

Exorcism

Asteroid

Corporate Elect 

Pssyche 


SO 36

Requiem

The Death and Resurrection Show 

Pandemonium

Mittwoch, 14. Juni 2017

Dinosaur Jr & Purling Hiss @ Bochum, Zeche (13.6.2017)

Dinos
Eine Woche Urlaub und darin enthalten, zweimal direkt hintereinander in die Bochumer Zeche zu fahren. Ich war schon recht früh unterwegs, weil ich unbedingt an der Ruhr-Universität Station machen wollte. Immerhin hatte ich fast 8 Jahre dort studiert, gelebt und - ohne die Vergangenheit zu romantisieren - eine wunderbare Zeit gehabt. Danach ging es in die Bochumer City und dann zum Wattenscheider Bahnhof, wo ich Burkhard abholte. Gemeinsam fuhren wir dann direkt zur Zeche, wo anfangs - dann auch in der Halle - erschreckend wenig Menschen waren. Am Ende füllte sich dann doch das Venue - ausverkauft war es aber nicht.
Ich habe es schon früher geschrieben: mit der Zeche verbinden mich viele schöne Erinnerungen. Ich habe hier viele Bands gesehen. Witzigerweise gibt es jetzt in der Zeche einen Monitor, an dem man alle Bands ablesen kann, die da jemals gespielt haben. Und in "meiner" Bochumer Zeit hatte ich das Glück, dann auch zu Fuß nach Hause laufen zu können. Das war immer sehr praktisch.
Nun denn. Als Vorband spielte eine Band namens "Purling Hiss". Die Band war ok. Stilmäßig irgendwo zwischen Grunge, Psychedelic und Stoner-Rock. Irgendwie passte der Support gut zum Hauptact. Burkard fand den Gesang schlecht. Ich kann da nicht so viel zu sagen. Gut war der Sänger sicherlich nicht. Aber das Trio drosch frohgemut auf ihre Instrumente und spielte einen ca. 40 minütigen Set, der ganz ordentlich war.
Ghostdrummer
Nach einer relativ kurzen Umbaupause begangen dann Dinosaur Jr. ihren Set. Überraschungen waren nicht zu erwarten - auf jeden Fall nicht im Blick auf die Setlist. Allein das Betreten der Bühne ist schon eine Bemerkung wert: während der Schlagzeuger - Murph - fast noch als agil zu bezeichnen ist, schleicht Mastermind J Mascis wie ein Greis über die Bühne. Und Lou Barlow? Der kam so auf die Bühne als hätte er die ganze Zeit vorher geschlafen. Jedenfalls leicht orientierungslos. Dann aber - sobald alle drei zu spielen begonnen haben - änderte sich alles: J Mascis erwacht zum Leben und zaubert 90 Minuten mit seinen verschiedenen Gitarren. Und diesmal hat er sogar das eine oder andere Mal zum Publikum gesprochen. Sondermeldung! Und genauso Lou Barlow: der fing an - barfuß wie immer - auf der Bühne rumzutänzeln, wobei man sein Gesicht kaum zu sehen bekam...angesichts der Haare, die notorisch im Gesicht hangen. Und Murph drosch auf sein Schlagzug ein. Nur ab und zu stand er auf, um sich mal die Füße zu vertreten. Das Alter eben.
Unter dem Strich war das das beste Konzert - im Vergleich zum November und Juni letzten Jahres. Der sound war erstklassig, was eben an der Zeche liegt. Es war auch gar nicht so überlaut wie sonst. Und es bot auch wieder die Besonderheit, die schon im November sehenswert war: bei "The Wagon" spielten zwei der Roadies mit... einer Schlagzeug...einer Gitarre. Welche Band macht so was schon? Respekt! So verließen wir die Zeche zufrieden und ich setzte Burkhard wieder am Wattenscheider Bahnhof ab und fuhr nach Düsseldorf. Schöner Abend!

Das war die Setlist von Purling Hiss:

Teddys
Run
Almost
Dreams
Mercury
Fever
Lolita
USA

Das war die Setlist von Dinosaur Jr

Thumb
Goin Down
Lost All Day
Love Is
The Wagon
Watch the Corners
Tiny
Feel the Pain
Tarpit
Knocked Around
Start Choppin
I Walk for Miles
Budge
Freak Scene
Gargoyle

Just Like Heaven (The Cure)

Montag, 5. Juni 2017

The Coathangers @ Cologne, MTC (2.6.2017)

Gitarristin
Ein Tag zuvor sah ich durch Zufall, dass das Konzert der Coathangers in München ausgefallen war. Wie ich dann herausfand aufgrund der Erkrankung der Bassistin. Hmmm. Sowas ist immer doof und erst am Mittag des Kölner Konzertes wurde Entwarnung gegeben: der Konzert sollte stattfinden. Es wäre wirklich sehr schade gewesen. Hatte ich die Band doch im Jahr zuvor auch in Köln gesehen...und das war klasse gewesen. Als ich dann losfahren wollte, stellte ich fest, dass der linke Hinterreifen platt war. Wunderbar. Eine Schraube hatte sich in den Reifen gedreht. So fuhr ich mit Verspätung los, erreichte aber dann doch das MTC kurz vor Einlass...wie ich dachte. Doch die Band war noch nicht da. Kaum verwunderlich zu Beginn des Pfingstwochenendes. Da ist die Strecke von München nach Köln eher ambitioniert. Aber alles nicht schlimm. Vor dem MTC traf ich Martin. So verkürzten wir uns die Wartezeit mit Essen und einem Getränk. Und da just in dem Moment wo wir losgingen der Bandbus auch eintraf, war klar, dass sich alles nicht sehr nach hinten schieben würde. Schon deshalb nicht, weil um 23.00 das Partyprogramm starten sollte.

Bassistin
Drummerin
Das MTC war recht gut gefüllt. aber alles andere als ausverkauft. Es spielte - trotz Ankündigung - keine Vorband, was ich nicht besonders bedauerte. Gegen 21.30 betrat dann die Band die Bühne. Dachte ich erst, dass die Coathangers eine neue Schlagzeugerin hätten, verflüchtigte sich dieser Eindruck im Laufe des gut einstündigen Sets. Hatte sie letztes Jahr noch lange dunkle Haare, hatte sie jetzt kurze blondierte Haare. Die Performance war identisch - und wie ich dann später zuhause nachhalten konnte angesichts der Fotos vom letzten Jahr: auch die Tattoos waren die gleichen. Meinte hinterher Martin, dass die Band in der ersten Hälfte ein wenig lahm gewesen sei, so hatte ich auch das Gefühl, dass die Band irgendwie mit angezogener Handbremse startete. Vermutlich hing das damit zusammen, dass die Bassistin noch nicht ganz fit war (statt Kaltgetränk kam sie mit einem Becher Tee auf die Bühne) - zudem war sie nach langer Fahrt erst kurz vorher dem Bandbus entstiegen. So dauerte es etwas, bis die Band auf Betriebstemperatur war. Trotzdem war es ein exzellenter Set. War das letzte Album - Nosebleed Weekend - schon ein ziemlicher Knaller, legte die Band jetzt mit einer 5-Track 12 Inch nach, die den Longplayer sogar noch toppt. Wie schon im letzten Jahr kam es zum Ende es Sets zum fröhlichen Instrumenten-Tausch. auch hier stach - wie schon im letzten Jahr - die Drummerin heraus, die wahrlich mehr kann als am Schlagzeug zu sitzen. Das ist schon eine verrückte Band. Abgeschlossen wurde dann der Set mit dem obligatorischen "Squeeki Tiki".
Wenn es überhaupt etwas zum Kritisieren gibt: der Sound war an einer Stelle schlecht...den die Vocals waren viel zu leise. Nun denn. Ich fuhr auf jeden Fall vergnügt wieder zurück nach Hause. Ich würde mich freuen, wenn die drei nächstes Jahr wieder nach Deutschland kommen. Coole Band.

Johnny
Dumb Baby
Smother
Down Down
Nosebleed Weekend
Burn Me
Make It Right
Perfume
Wipe Out
Springfield Cannonball
Watch Your Back
Had Enough
Arthritis Sux
Parasite
Shut Up
Cheap Cheap
Squeeki Tiki

Nestle In My Boobies
Sex Beat (The Gun Club)

Hurricane
Captain’s Dead